Die ersten Ausfahrten 2024

Nachdem ich über den Winter 2023 zu 2024 fleißig an der Panigale geschraubt habe, um ein renntaugliches Gefährt daraus zu machen, war ich natürlich auch heiß wie Frittenfett, wie sich der Apparat nun in diesem finalen Bautenstand fahren lässt.

WarmUp am Pannoniaring 04/2024

Gemeinsam mit zwei meiner Teamkollegen, Tino und Duffti, machte ich mich Anfang April auf zum Pannoniaring zu einer WarmUp-Veranstaltung bei GH-Moto.

Das Wetter war hervorragend an allen drei Tagen. Von Anfang an lief es gut mit dem Bike. Ich konnte direkt im ersten Turn eine 2:06 fahren. Das war mit neuem Bike und nach dem Winter gar nicht mal so schlecht. Ich stellte mir zwischen den Turns immer mal noch was an den Fußrastenpositionen um, da dies das Einzige war, womit ich nicht gleich 100% glücklich war. Aber auch da habe ich letztendlich eine brauchbare Konfiguration gefunden.

Am Ende des ersten Tages habe ich mich auf eine 2:04 steigern können, dann aber merkte ich schon ein gewisses Trainingsdefizit. Dennoch war ich glücklich. Denn 2018, als ich mit der leistungsmäßig vergleichbaren MV Agusta F3-800 hier gefahren bin, war meine schnellste Zeit damals eine 2:03. Von daher ist das jetzt mit dem neuen Arbeitsgerät gar nicht so schlecht.

Am zweiten Tag ging es dann sofort flüssiger zur Sache und ich konnte gleich im ersten Turn eine 2:02 fahren. Und das wurde noch besser. Im zweiten Turn habe ich das dann sogar auf eine 2:01 gebracht.

Dann wurde es aber leider nicht mehr schneller. Die Maschine ist wirklich gut – nur der Mensch hatte konditionell schon zu sehr gelitten. Auch am dritten Tag (der war nur bis mittag) habe ich das nicht mehr toppen können. Ich fuhr zwar noch ein paar mal die 2:01, aber besser wurde es nicht mehr. Als Bestzeit nahm ich somit eine 2:01.4 mit nach Hause, was aber in Anbetracht meiner bisherigen Bestzeit in der 750er-Klasse (neudeutsch: Klasse NextGeneration) aus dem Jahre 2018 schon eine echte Steigerung von 2 Sekunden ist. Schon gut so eine Ducati.

Duffti, ich und Tino (v.l.n.r)

Erste Cup-Veranstaltung zur FR-Challenge in Most 04/2024

Ende April ging es dann traditionell nach Tschechien zum ersten Cup-Event. Ein neues Format bei den FR-Challenge-Veranstaltungen sieht vor, dass der Freitag bis zum frühen Nachmittag als Zeittraining zählt und am Freitag Spätnachmittag dann ein 2h-Langstreckenrennen zu Buche steht. Samstag Vormittag gibt es dann eine Superpole-Session, wo auch nur die Rennteilnehmer der jeweiligen Hubraumklasse unterwegs sind. Darauf freute ich mich im Vorfeld ganz besonders… Dann Samstag Nachmittag das erste Sprintrennen und Sonntag um die Mittagszeit das zweite Sprintrennen.

Am Freitag Vormittag kam ich so la-la in den Tritt. Zunächst schaffte ich nur 46er Zeiten, später dann auch 45er. In unserer 750er-Klasse war das aber in Ordnung. Nur meine beiden Teamkollegen waren schneller. Für den Anfang ok. Das Langstreckenrennen am Abend bestritten wir als ganzes Team zu viert (Kai war mit seiner R6 auch dabei) und planten somit 4x 30min-Stints. Das haben wir auch genauso durchgezogen und erreichten am Ende den 2. Platz in unserer Klasse.

Dann kam der Samstag. Nach einem WarmUp-Turn folgte die erste Superpole-Session der Saison. Schon im WarmUp konnte ich eine 44.2 fahren und das mit den gebrauchten Reifen vom Vortag. Für die Superpole steckte ich mir aber frische Reifen rein. Und dann ging es los. Ich entschied, alleine zu fahren, nicht in der Gruppe. Für mich ist das besser. Selbst ein schnelles Hinterrad vor mir irritiert mich immer etwas. Es hat halt jeder seinen ganz eigenen Rhytmus.
Die erste gezeitete Runde war gleich wieder eine 44.1… das war nun also meine Referenzzeit im Laptimer. Apropos Laptimer… seit diesem Jahr habe ich den AIM Solo2 DL… ein echt gutes Teil. Der zeigt Kurve für Kurve über grüne bzw. rote LEDs an, ob du schneller oder langsamer als in deiner Referenzrunde bist. Die Anzahl der leuchtenden LEDs sagt dabei aus, ob du viel schneller bzw. langsamer bist, oder eben nur wenig schneller/langsamer.
Auf ging es in Runde 2… Bremspunkt Ende Start/Ziel war gut, Schikane gut getroffen und super wieder rausgekommen aus der Kurve… Laptimer zeigt 4 grüne LEDs… also mindestens schonmal 4/10tel schneller. Und das nach der ersten Kurvenkombination. So in der Art habe ich diese Runde dann Kurve für Kurve richtig gut getroffen und am Ende stand eine 1:42.3 auf der Anzeige… Wow, das war gut. Für mich war das völlig ok. Ich habe Dampf rausgenommen und bin zufrieden zurück in die Box gefahren. Jetzt blieb es nur noch abzuwarten, was die anderen Jungs so geschafft haben.

Zurück in der Box fiel mein Blick direkt auf den Zeitenmonitor und ich konnte es kaum fassen… mit einer Zehntel Vorsprung auf meinen Teamkollegen Tino habe ich diese Session für mich entschieden und habe damit die erste Pole der Saison geholt. Jippi!

Nachmittag im Rennen kam ich auch in Führung liegend aus der ersten Runde, danach hat mich Tino überholen können. Später dann, ich glaube, es war in der dritten Runde… Plötzlich ging der Reißverschluss meiner Lederkombi auf. Und das ist nicht schön. Das ist wie ein Bremsschirm. Ich beschloss in die Box zu fahren und das zu fixen. Vor unserer Box hielt ich kurz an, zog den Reißverschluss wieder zu und fuhr dem Feld hinterher. Schließlich zählt jetzt die Rundenzeit aus Rennen 1 für die Startaufstellung zu Rennen 2. Nun, es waren zwar nicht so viele Teilnehmer dabei, aber sie haben sich gut verteilt. Jede Runde hatte ich mindestens ein Überholmanöver. Und dabei wollte ich doch nur noch eine gute Zeit setzen. Nach Überqueren der Ziellinie war ich am Ende 7. geworden und ich habe es tatsächlich mit einer 43.5 in die erste Startreihe für Rennen 2 geschafft.

Nur unser heimlicher Plan, das Podium nur mit Mithos-Racing-Team-Membern zu besetzen, ging aber leider durch meinen Fauxpas mit der Kombi nicht auf. Morgen ist ja auch noch ein Rennen.

Am Sonntag startete ich dann aus Position 3 und konnte sogar Tino beim Start überholen. Duffti führte dann das Rennen an. In der zweiten Runde kam Ende Start-Ziel aber Tino an mir vorbei und schob sich zwischen Duffti und mich. Die beiden vor mir hatten sichtlich Spaß beim sich gegenseitig überholen und schlugen auch einen ordentlichen Takt mit 42er Zeiten an. Das war auf die Distanz für mich zu schnell. Solide und ungefährdet blieb ich auf Rang 3 und fuhr das Rennen zu Ende. So, wie es aussieht, schaffen wir es ja dieses mal mit unserem Mithos-Podium. Auf in die letzte Runde… und… was ist das? Ende S/Z wird gelb geschwenkt… Och nö! Da lag der Duffti im Kies. Was macht der nur? Nun ja. Ich fuhr die Runde zu Ende und erbte dadurch den 2. Platz.

Später meinte Duffti, er war wohl schon zu sehr im Cruising-Modus; ihm ist einfach das Vorderrad eingeklappt. Zum Glück an der langsamsten Stelle der Strecke, ihm ist nichts passiert und der materielle Schaden am Bike hielt sich in Grenzen.

Aber wieder nix mit dem Mithos-Podium.

Zweite Cup-Veranstaltung in Ungarn/Pannoniaring 06/2024

Meine Jungs waren zwischenzeitlich 3 Tage in Oschersleben, ich mit der Family im Kurzurlaub an der Ostsee. Ich habe also 6 Wochen lang nicht auf dem Bike gesessen. Dem entsprechend bin ich auch an die Sache ran gegangen. Mir bzw. uns war bewusst, dass wir hier wieder schnell sein würden. Schließlich haben wir auch einen Trainingsvorteil gegenüber den restlichen Teilnehmern durch unser WarmUp Anfang April hier. Ich malte mir also den Rang 3 in unserer Klasse aus. Vor mir sah ich meine beiden Teamkollegen.

Der erste Turn war dann doch schon irgendwie ernüchternd. Da habe ich nur eine 2:08 geschafft. Naja. So ist das halt, wenn man älter wird. Da braucht es dann erstmal wieder eine Weile, um die Sinne zu schärfen. Im zweiten Turn wurde es dann schon eine 2:05 und im dritten dann eine 2:02.7. Somit bin ich genau im Fahrplan und knapp an den Zeiten meiner beiden Buddies (Tino 2:01.5, Duffti 2:02.3) dran. Leider hat sich das Wetter in Richtung Regen verändert. Somit beschlossen wir, es für den Freitag gut sein zu lassen. Auch das 2h-Rennen ließen wir aus. Damit hatten wir also früher Feierabend und verbrachten den Abend im „Paddock“ – dem Streckenrestaurant.

Samstag morgens gab es dann wieder einen WarmUp-Turn und anschließend die Superpole. Wie ich dieses Format liebe… Schon im WarmUp konnte ich mit den gebrauchten Reifen eine 2:02.4 fahren und war damit schon schneller als am Vortag. Jetzt habe ich der Panigale wieder zumindest ein frisches Hinterrad spendiert für die Superpole. Unser Plan war, uns ziemlich früh an den Boxenausgang zu stellen, um dann die ersten auf der Strecke zu sein, ganz ohne Verkehr.

Wenn wir schonmal was planen, dann klappt das irgendwie nicht. In der Superpole-Session für die 600er, direkt vor unserer Session, ist ein Teilnehmer gestürzt und das Bike musste noch geborgen und die Strecke etwas gereinigt werden. Die Ampel stand auf rot und die Zeit verging… Mit nur 10 Minuten Restzeit sprang die Ampel auf grün und wir konnten endlich los. Das wird ’ne sportliche Session… „max. 3 gezeitete Runden werden das, danach wird abgewunken“ habe ich kurz durchkalkuliert.

Aber es lief gut. Tino, Duffti, dann ich. Das war unsere Reihenfolge auf der Strecke. Wir ließen dennoch etwa 100m Abstand zu einander und dann ging es los. Meine erste Zeit auf dem Laptimer war eine 2:01.3… das war schonmal gut. Aber so richtig rund lief es in der Runde nicht. Also dran bleiben. Die ersten Sektorenzeiten der folgenden Runde waren wieder grün… also schneller. Dumm nur… jetzt lief ich auf Duffti auf. Also nahm ich Speed raus und habe die Runde geopfert, um wieder etwas mehr Abstand zu Duffti zu lassen. Damit war mir aber auch klar, dass ich zumindest etwas schneller war, als Duffti.

Dann zählte es…letzter Schuss. Nach dem ersten Drittel der Strecke zeigte mir der Laptimer wieder grün… ca. 4/10tel auf die 2:01.3. Jetzt nur nicht verkacken… nach dem 2. Drittel stand -0.8s auf dem Display… Wow!, jetzt nur noch sauber das letzte Drittel von der Hauskurve bis ins Ziel bringen… es fühlte sich alles auch ganz gut an…raus auf Start/Ziel… Und? Wo bleibt die Uhr stehen?… 2:00.755. Nicht schlecht! Aber ein klein wenig enttäuscht war ich dennoch. 2/10tel habe ich ja im letzten Sektor wieder verloren. Und in der Ferne sah es für mich so aus, als ob Tino den Abstand zu mir und Duffti auch vergrößert hat und somit schneller war.

Zurück in der Boxengasse hielt ich neben Tino an und starrte auf seinen Laptimer… Dort stand eine 2:00.878. Ich ruckelte ihn an und zeigte auf meinen Laptimer… Und ja. Ich habe es wieder geschafft. Wieder mit einem Zehntel Vorsprung auf Tino habe ich mir wieder die Pole für das Samstagsrennen gesichert.

Den Vorstart zur Einführungsrunde habe ich nicht ganz so gut hinbekommen und somit fuhr ich hinter Tino und Duffti die WarmUp-Lap. Ich fuhr den beiden hinterher, wie man das in so einer WarmUp-Lap eben macht. So mit 80-90%. Und plötzlich sehe ich, wie Tino ganz vorn aus dem Nichts heraus über sein Vorderrad gestürzt ist. Was war das denn? So ein Mist. Völlig verwirrt standen Duffti und ich dann zum richtigen Rennstart alleine in der ersten Reihe.

Und genauso verlief dann auch das Rennen. Duffti gewann den Start und ich habe es diesesmal noch beschissener gemacht wie zum Vorstart. Dadurch ging ich auch nur als Vierter aus der ersten Kurve. Zwei Suzuki-Fahrer haben sich noch dazwischen geschoben. Ok. Das Rennen geht ja ’ne Weile. Ich wollte erstmal alles sich sortieren lassen und dann versuchen, sauber an den beiden vor mir vorbei zu kommen. Hmm. Aber die beiden kämpften auch miteinander und fächerten sich vor den Kurven immer auseinander… wo soll ich denn da überholen? Auf den Geraden gehen die Suzis richtig gut… also musste ich da irgendwie im Infield dran vorbei. Glück für mich war dann, dass sich einer der beiden an einer Kurve verschätzte und weit gehen musste… mein Chance, die ich auch sofort nutzte. Einen allein zu überholen ist dann doch einfacher als zwei sich Streitende… so gelang es mir dann auch recht zügig, den zweiten Suzukifahrer zu überholen. Nur war der Duffti am Horizont kaum noch zu sehen. Also stellte ich mich vom Kopf her wieder auf eine Sicher-Ankommen-Strategie ein und fuhr gerade so schnell, dass mich die ebenfalls nach hinten in weite Ferne gerückten Suzukis nicht wieder einholen. Den zweiten Platz konnte ich mir somit sichern. Auch die Zweitschnellste Rennrunde war es… somit geht’s am Sonntag wieder aus Reihe 1 ins Rennen.

Am späteren Nachmittag haben wir Ursachenforschung für Tinos unerklärlichen Sturz betrieben und kamen auch mittels der Datenanalyse zu keiner schlüssigen Erklärung. Im Nachhinein, als wir längst wieder zuhause waren, ist Tino dahinter gekommen. Es war ein viel zu hoher Luftdruck im Vorderreifen. Der hat natürlich dadurch dann keinen Grip. Aber zumindest war jetzt klar, warum er gestürzt ist.

Leider ist sein Motorrad sehr unglücklich im Kies gelandet und es ging ein Motordeckel kaputt, den wir nicht als Ersatzteil dabei hatten. Das hieß dann für Tino leider Ende der Veranstaltung. Das hieß dann aber auch, dass es an diesem Wochenende nichts mehr mit unserem Mithos-Podium wird. Verhext ist das doch, oder?

Zum Glück ist Tino nichts passiert. Die RCP49 Mithos Lederkombi hat ihn perfekt geschützt, der TechAir-Airbag hat auch ordnungsgemäß ausgelöst. Klar gibt da jetzt kosmetische Mängel dran, aber das lässt sich reparieren.

Rennen 2 am Sonntag war recht unspektakulär. Mit 2:02er und 03er Zeiten bin ich hinter Duffti wieder Zweiter geworden. Ich persönlich bin zufrieden mit den Ergebnissen. Da jetzt aber auch Saisonhalbzeit ist – ja, es gibt dieses Jahr bei der FR-Challenge nur 4 Veranstaltungen mit je zwei Läufen – lohnt es sich ja mal auf den Zwischenstand in der Meisterschaft zu schielen… und da sieht es für mich ganz gut aus. Aktuell liege ich vorn und habe 6 Punkte Vorsprung auf Duffti. Mitte August ist der nächste Cup-Termin in Brno… und dafür bereite ich mich dieses mal etwas mehr vor… 2 Wochen vor dem FR-Event habe ich noch ein Training mit Speer in Brno gebucht… Dann sollte ich zum FR-Cup-Event gewappnet sein.

Erneuter Wechsel in eine andere Klasse

Nachdem ich mich 2017 schon einmal aus der 1.000er-Klasse verabschiedet habe und in die kleinere 600er-Klasse wechselte (2018 dann 750er), so mache ich das jetzt auch wieder und wechsle wie 2018 in die 750er Klasse.

Es gibt auch einige Parallelen zu damals. Wieder trete ich in der kleineren Klasse mit einem italienischen Bike an. Nur kommt das Bike diesesmal nicht aus Varese, sondern aus Bologna.

Ende letzten Jahres ist die Entscheidung gefallen und auch in die Tat umgesetzt. Die BMW wurde verkauft und dafür kam eine Ducati Panigale V2 (955) ins Haus.

 

Ich habe mich für die Sonderedition „Troy Bayliss“ entschieden, da die kleine Panigale so schon werkseitig mit Dämpferelementen von Öhlins ausgestattet ist. Der Mehrpreis für so ein Edition-Modell ist geringer, als der Aufwand alles dann später umzubauen.

So, wie das Motorrad auf den Bildern zu sehen ist, habe ich sie dann auch gleich im tschechischen Most mal probiert. Also nur Spiegel, Blinker und Kennzeichen ab, Slicks drauf und los. Ok, die Troy-Bayliss-Startnumer 21 habe ich noch schnell zu meiner 10 gemacht ;).

Los geht’s: Machen wir ein Racebike draus!

Nachdem ich mir nun in Most einen ersten Eindruck von der kleinen V2 machen konnte, stand natürlich vorher schon fest, dass es so im absoluten Serienzustand nicht bleiben wird.

Und eigentlich sind die Racebike-Umbauten ja wie  immer… das ist mal Markenunabhängig. Also habe ich bei DeussenEngines mal den großen Wunschzettel abgegeben und so trudelten so nach und nach die bestellten Teile ein.

Zuvor habe ich aber erstmal alles weg- und abgebaut, was man an einem Race-Bike nicht mehr braucht: sämtiche Plastikabdeckungen und Schaumstoffisolierungen rund um den Motor, das erzeugt nur Hitzestau. Dann kam der Lüfter raus. Wiegt auch nur was und sorgt bei seiner Platzierung unterhalb vorm Motor auch nur für Hitzestau in dem Bereich, wenn er gerade nicht läuft. Dann habe ich das ganze EURO4-Gedöns abgebaut. Also SLS-System und der Aktivkohlefilter sind rausgeflogen.

Der LED-Scheinwerfer konnte auch noch raus und somit hat das gewichtsmäßig bis hierher eine ersparnis von etwa 6-7 kg gebracht. Mit einem Scheinwerfer-Dummy könnte man so auch erstmal mit der Serienverkleidung fahren. Die Luft kann jetzt zumindest ungestörter durch das Bike ziehen und beim Abstellen in der Box bildet sich nicht so ein ewiger Hitzestau. Natürlich muss man ohne Lüfter die Temperatur im Auge haben. Sollte diese deutlich über 100 Grad Celsius gehen, muss man mit einem externen Lüfter nachhelfen (Laubsauger bzw. -puster).

Nun war es dann soweit und die feinen Zubehörsachen konnten verbaut werden.

  1. Spider-Fussrastenanlage
    Die Rastenposition ist höher und dadurch verringert sich die Gefahr des Aufsetzens in großer Schräglage
  2. Akrapovic Full-Titan-Abgasanlage (wie das Werksteam in der SSP-WM)
    Unglaubliche 8kg Gewichtssersparnis zur Serienanlage und jetzt kann der Motor frei ausatmen ohne zwischengeschaltete Klappen
  3. H²O-Rennkühler (Wasser und Öl)
    damit es der Italienerin nicht zu heiß wird in den Hochsommermonaten
  4. Motorholders Alu-Heckrahmen und Verkleidungshalter
    wiege gerade mal die Hälfte von den Serien-Stahlteilen (Ersparnis ca. 2kg)
  5. BikePlastik Rennverkleidung (ebenfalls wie Werksteam, nur aus Carbon)
    auch das bringt unglaubliche 4kg Gewichtsersparnis im Vergleich zur Serienverkleidung

Das waren mal so die augenscheinlich größten Brocken auf dem Weg vom Strassen- zum Rennmotorrad.

Ein paar Kleinigkeiten noch

Nach den oben beschriebenen offensichtlichen Umbauten kommen ja auch immer wieder noch ein paar Kleinigkeiten dazu. So zum Beispiel andere Lenkeranschläge (auch von Spider), dass die Gabelholme nicht am grösseren Kühler anschlagen, eine Getriebewellenabstützung zur Entlastung des Getriebewellenlagers, Racing-Lenkerarmaturen (die bunten Knöpfchen gehören einfach dazu), ein Jetprime-Zündungsschalter (statt Zündschlüssel) und natürlich auch eine schicke Folierung im Team-Design.

Auch habe ich die Serienbremssättel gegen M4-Sättel getauscht (von der BMW übernommen) wegen der besseren Verfügbarkeit von den Bremsbelägen

Der Umbau in Bildern

Es kann losgehen!

Mit zweifacher Kraft wird nun angegriffen. Ich habe meine beiden S1000RRs ins Teamkleid gesteckt und nun warte ich, dass es endlich wieder losgeht.

Ende Februar werde ich mit meinem Langstreckenpartner Tino nach Spanien reisen, um dort den Saisonauftakt in Valencia einzuläuten.

Ein paar technische Änderungen am Bike hat es nun noch gegeben, welche ich ausprobieren und testen möchte. Zweiter Punkt auf der Agenda für die Spanienwoche ist der Test eines anderen Reifenfabrikates.

2020 – alles lief anders

Über den Winter musste ich mich etwas mehr um meine „neue“ S1000RR kümmern. Das DDC (Dynamic Damping Control) Fahrwerk sollte raus und ein konservatives Öhlins sollte rein. Leider hat auch hier die Coronapandemie dafür gesorgt, dass die bestellten Teile ewig nicht kamen. Und der März rückte plötzlich sehr schnell näher. Mein Saisonauftakt habe ich wie die Jahre zuvor in Valencia geplant. Anfang bis Mitte März.

Da es nicht absehbar war, ob alle Teile rechtzeitig eintreffen, gab ich dann für Valencia doch wieder meine alte K46 mit auf den Transportweg nach Spanien.

Im Nachinein betrachtet hatten wir richtig Glück, dass die Verantaltung auf dem Circuit Ricardo Tormo vor den Toren der Stadt Valencia wie geplant stattgefunden hat. Direkt nach unserer Heimreise gab es den internationalen Lockdown wegen der Coronapandemie. Vor Ort hat man davon nichts gemerkt. Das Wetter war super und ich holte mir auch schon den ersten Sonnenbrand in der spanischen Frühjahrssonne.

Wie die letzten Jahre auch ist der Saisonauftakt in Spanien immer ein lockeres Warmup in die Saison. Gemeinsam mit meinen Teamkollegen konnte ich mir den Winterrost von den Knochen fahren.

Wieder daheim wurde nun aber klar, dass dieses Jahr nichts mehr so sein wird wie die letzten Jahre. Durch den Lockdown wurden natürlich auch unsere Renntrainings und Cupveranstaltungen abgesagt. Die erste Veranstaltung nach dem Lockdown war dann zu Pfingsten Ende Mai auf dem Lausitzring. Da ich immernoch nicht alle Teile für die neue K67 beisammen hatte, nahm ich dorthin auch wieder die alte K46 mit.

Dort hatte ich dann aber wegen eines technischen Defektes (Kühwasseraustritt) einen heftigen Abflug mit der Folge, dass es a) dem Motorrad ganz schön zugesetzt hat, und b) auch ich eine Schlüsselbeinfraktur verkraften musste. Das hieß dann wieder 6 Wochen Zwangspause…

Auf unserer Teamhomepage gibt es einen interessanten Artikel zu dem Crash. (->zum Artikel).

Wie ging es dann weiter?

Endlich waren aber auch in der Zwischenzeit alle Fahrwerkskomponenten für die K67 eingetroffen und ich konnte diese endlich fertig bauen. Ende Juli war ich dann damit das erste Mal dieses Jahr zu einer netten Trainingsveranstaltung in Oschersleben. Hier konnte ich nun checken, ob alles am Motorrad läuft und auch, wie es mir so ergeht beim Fahren nach der Schlüsselbeinfraktur. Aber: Alles war gut und Mensch und Maschine hatten keine Probleme.

Die nächsten Stationen waren dann 2x Brno im August, Hockenheim (300 Meilen) und Most im September als Jahresabschluss. Coronabedingt gab es dieses Jahr keine Jahresgesamtwertung, somit waren das alles immer nur Einzelevents, zwar mit Rennen aber ohne Jahreswertung. Und auch jetzt wieder – Ende September – deutet sich der nächste Corona-Lockdown an. Tschechien wurde während unserer Veranstatung dort im September zum Corona-Risikogebiet erklärt. Mal sehen, wo das alles noch hinführt…

2017: Start in eine neue Ära

Nun ist der Winter endlich vorbei und die Saison 2017 hat begonnen. Dieses Mal hat sich für mich aber eine ganze Menge geändert. Neues Motorrad, neues Design, neues Team, neues Outfit, neue Klasse… kurzum: Eigentlich ist alles anders als bisher.

In meinem letzten Beitrag erwähnte ich ja schon, dass ich mir für 2017 schon was neues ausgedacht habe. Im zweiten Teil meines 2016er Jahresrückblickes hatte ich ja berichtet, dass ich die kleine MV Agusta F3 675 von meinem Freund Ossi probehalber pilotieren durfte. Und das hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Was bisher nicht erwähnte: Ich war ja direkt nach dem besagten Oschersleben-Event noch einmal mit der F3 in Most zum „ausgiebig probefahren“. Und was soll ich sagen? Der Gedanke zum Klassenwechsel reifte. Mit dem Ossi bin ich mir einig geworden und die MV wechselte von seinem in meinen Besitz. Mein erstes italienisches Motorrad.

Und jetzt kam auch noch dazu, dass ich mit 5 weiteren Freunden… jetzt darf ich ja sagen MV-Kollegen ein Team namens Mithos MV F3 Racing gründete. Man war das alles aufregend. 6 Leute und jeder hat irgendwelche anderen Ideen. Zunächst einigten wir uns auf ein Design und fingen an, uns über die Umsetzung Gedanken zu machen. Das Design stammt aus der Ideenschmiede samuxxdesign.com. Wir haben uns für das MV Agusta RC Petronas Design entschieden. In Anlehnung an das AMG-Petronas Formel1-Team. Hintergrund ist der, dass die Mercedes Tuning-Schmiede AMG einen beachtlichen Anteil an der Firma MV Agusta besitzt. Daher taucht das AMG-Logo auch überall bei den MV Agusta RC-Modellen auf. RC steht aber nicht für radio-controlled, sondern für Reparto Corse, der Rennsportabteilung von MV Agusta.

Jetzt brauchten wir noch einen Hersteller für die Verkleidungen. Fündig sind wir da auch in Italien geworden. Wir schickten alle 6 unsere Tanks zum umlackieren hin und bekamen diese dann samt kompletter Verkleidung in unserem Petronas RC-Design zurück.

Jetzt ging es um die Team Kleidung. Da sind wir über Stefan, unser SocialMedia-Beauftragter, an den Lederkombihersteller Mithos Sport herangekommen. Gleich Anfang Januar hatten wir dort in Wettingen in der Schweiz einen Termin zum gemeinschaftlichen Vermessen.

Entschieden haben wir uns für einen Einteiler in Kängeru-Leder mit eingebauten Protektoren. Wegen der Lieferzeit von etwa 8 Wochen gaben wir das Ganze dann auch gleich in Auftrag.

Mitte März hatten wir dann alle, alles zusammen und machten die Motorräder fertig. Ende März sollte es ja dann zum ersten Rollout an den Pannoniaring gehen. Das Ergebnis unseres gemeinschaftlichen Auftrittes kann sich in meinen Augen sehen lassen:

Doch nun mal zu den ersten Eindrücken. Das gute Gefühl, welches ich bereits im letzten Jahr für die F3 hatte, hat mich nicht verlassen – nein, es hat sich gleich von Anfang an bestätigt. Ich konnte sofort vom ersten Turn an ordentliche Rundenzeiten in den ungarischen Asphalt brennen und steigerte mich von Turn zu Turn weiter.

Alles am Motorrad lief perfekt, es gab wirklich nichts daran auszusetzen. Alles hat wunderbar funktioniert. Top-Job gemacht im Winter. Schließlich hatte ich die MV komplett zerlegt und dann wieder zusammengebaut. Da kann schnell mal irgend etwas nicht richtig passen oder so. Aber so war es nicht…Die kleine F3 wurde immer mehr zu „meiner“ MV.

Am Ende bin ich mit einer Rundenzeit von 2:03 min eigentlich ganz glücklich. Zumal ich im vergangenen Jahr mit der BMW und 100PS mehr auch nicht schneller war. Ein bisschen Potential sehe ich aber noch. Ich muss mich jetzt bei den kommenden Veranstaltungen eben noch mehr auf das 6er-Fahren umstellen. Gerade am Pannoniaring denke ich, an die 2:00min-Schallmauer heranzukommen. Mitte Mai bin ich wieder dort zu einem Cup-Lauf der FR-Challenge. Mal sehen, was dann unter Rennbedingungen dort geht.

Als nächstes geht es jetzt aber erstmal Ende April nach Most zum Cup-Auftakt.

Jahresrückblick 2016 – Teil 3

Nach dem letzten Oschersleben-Event im Juni war jetzt erst mal Sommerpause mit Familienurlaub angesagt.

Back on Track hieß es dann wieder Ende Juli, ebenfalls in Oschersleben, und hier gleich mit einer Besonderheit. Ein befreundetes Pärchen nutze die Tage vor dem Event, um in dem dortigen Hotel ihre Hochzeit zu feiern. Besser gesagt auf der Dachterrasse des Hotels mit Blick auf die Strecke. Viele bekannte Gesichter aus dem nationalen Motorradsport hat man dort getroffen. Für meinen Geschmack war das eine super Einstimmung auf die darauffolgende Cupveranstaltung.

Ich konnte an meine guten Zeiten von vor 6 Wochen hier anknüpfen und fuhr von Beginn an unter den Top-5 mit. Am Ende des Qualifying stand ich dann auf P4 und ging auch von dort aus ins Rennen. Die Zeitenunterschiede waren wieder sehr knapp. Die ersten 9 Teilnehmer standen innerhalb einer Sekunde bei 30er und 31er Zeiten. Für das Rennen hieß das wieder, keine Fehler zu machen. Die darf man sich bei solchen engen Resultaten eigentlich niemals erlauben, wenn ganz vorn mitspielen will. Ich Oschersleben ist die Besonderheit, dass es der kürzeste Kurs im Kalender für uns ist. Dadurch kommt es hier auch zu den meisten Überrundungen gegen Ende des Rennens. Das ist dann im Prinzip auch gleichzeitig die Schwierigkeit in Oschersleben. Gut an den Überrundeten vorbei zu kommen und nicht viel Zeit dabei zu verlieren. Aber genau das gelang mir dieses mal nicht ganz so gut. Am Ende verlor ich in den letzten beiden Runden 3 Positionen, nur weil ich beim Überrunden zu zögerlich war. Mit P6 am Ende war es für mich aber noch versöhnlich.

Die nächste Veranstaltung fand dann wieder auf der Traditionsstrecke in Brno statt. Nachdem ich im Mai nicht ganz so gut dort zurecht kam, war ich mal ganz gespannt, wie es denn dieses mal so laufen würde. Im Training und Quali kam ich aber gut zurecht und positionierte mich wieder so in der zweiten Startreihe als 7. Zumindest war ich schneller, als im Mai noch.

Beim dem Start des ersten Rennens am Freitag kam ich gut von meiner Startposition weg und sortierte mich als 3. oder 4. an der ersten Kurve ein. Plötzlich schoss aber innen jemand an mich heran und ich musste auf machen, um einen Crash zu verhindern. Ich musste deshalb weiter nach außen…dort war allerdings auch noch jemand, der mich traf. Der äußere Fahrer stürzte und ich musste geradeaus durch das Kiesbett. Glücklicher Weise stürzte ich nicht und konnte weiter fahren. Ich sortierte mich um Platz 30 oder so wieder ein. Mit dem Podest hatte ich fortan nichts mehr zu tun, jetzt galt es eben so viel wie möglich wieder gut zu machen. Am Ende wurde ich P12, fuhr aber zum Trost wieder sehr gute Rundenzeiten. Beim zweiten Rennen am Sonntag lief es dann besser. Die erste Kurve klappte dieses mal besser ohne Zwischenfälle und ich konnte mich auf P2 hinter Basti #20 einreihen. Und nun hatte ich wieder das gute Gefühl vom letzten Jahr… es lief einfach wieder und ich konnte an Basti dran bleiben, der wiederum sensationell schnell war. Nach etwa 5 Runden überholte mich Krato und ich konnte diesem aber folgen. Weitere 2 Runden später flogen wir im Duett an dem am Rand parkenden Basti vorbei. Sein Honda-Motor wollte nicht mehr, dadurch fiel er aus. Dann wieder P2 konnte ich aber bis ins Ziel halten. Endlich wieder mal Podest-Luft schnuppern.

In unserem Cup gab es dann nur noch eine Veranstaltung in Most Ende September. Bis dahin war noch ganz lange Zeit. So beschloss ich zwischendurch auch noch mal wo anders zu fahren, um nicht einzurosten. Ich meldete mich mit unserem Veranstalter Futz gemeinsam zu einem Langstreckenrennen am Lausitzring an. Die Geschichte ist recht schnell erzählt… Quali auf P2… Nach dem Start in Führung gegangen und nicht mehr hergegeben. Das Rennen wurde aufgrund von vielen heftigen Unfällen vorzeitig abgebrochen. Da das Medical-Center keine freien Kapazitäten mehr hatte, wurde das Rennen auch nicht nochmal neu gestartet und so wurden wir zum Sieger erklärt.

Zwei Wochen später, einen Tag nach dem World Superbike Meeting am Lausitzring hatte ich nochmal die Gelegenheit mit Markus Reiterberger, unserer deutschen WSBK-Hoffnung, ein Coaching eben am Lausitzring zu haben. Und das brachte mir gefühlt echt ’ne Menge. Er erklärte mir, was ich etwas anders machen soll und ich setzte es um…und es klappte. Die Zeiten purzelten und ich fuhr so schnell wie noch nie zuvor am Lausitzring. Völlig glücklich freute ich mich nun auf die letzte Cupveranstaltung in Most.

Und diesmal ´gab es sogar vor dem 3-Tages-Event noch einen optionalen zusätzlichen Trainingstag, welchen die meisten Cupfahrer auch nutzten. Ich natürlich auch. Und da ging es dann ab wie die Luzie… Gleich früh konnte ich extrem schnelle Zeiten fahren in Most (40er zu Beginn ist für mich nicht gerade schlecht)… der nächste Fahrer nach mir hatte mehr als 2 Sekunden Rückstand. Wow. Das mit dem Reiti hat wohl wirklich richtig was gebracht. Dann nach dem Mittag ging es nochmal richtig vorwärts… 1:39.9! Bähm! Und da war ich dann so richtig happy. Endlich diese 40er-Schallmauer in Most geknackt.

Mehr als zufrieden freute ich mich nun auf die Rennen. Beim Start zum ersten Rennen kam ich nicht ganz so gut weg und musste an der ersten Schikane aufpassen, dass nichts passiert. Dabei stach von innen ein Ducati-Fahrer herein und brachte sein Bike aber nicht mehr ums Eck und machte sich direkt vor mir lang. Um den Fahrer nicht zu überrollen musste ich wieder in Kies ausweichen, dieses mal kippte mir das Motorrad um, als ich fast schon stand. So ein Mist. Motorrad aufgehoben und wieder losgefahren…dieses mal von ganz ganz hinten. So kämpfte ich mich durchs Feld, eine ordentliche Platzierung war aber nicht mehr drin. Ich habe bestimmt eine halbe Minute durch den Anfangszwischenfall verloren. Das holt man so schnell nicht wieder auf.

Das zweite Rennen lief dann wieder besser. Der Start klappte und ich reihte mich wieder hinter Basti #20 ein, der abermals richtig flott unterwegs war. Diesmal ist er mir aber nicht davon gefahren und ich konnte den sehr kurzen Abstand halten. Ich wartete auf eine Überholgelegenheit. Mein Laptimer zeigte mir auch wieder 39er Zeiten…es lief! Leider wurde das Rennen aufgrund eines Unfalls im hinteren Feld vorzeitig abgebrochen. So konnte ich ein finales Überholmanöver nicht mehr setzen.

Dennoch war ich mit der schnellsten Rennrunde unter den ersten dreien zufrieden und habe meine doch durchwachsene Saison ganz gut abgeschlossen. Kurz gesagt: Zäher Anfang, gutes Ende – und für 2017 habe ich auch schon ganz interessante Pläne…

Was genau, das gibt es dann später hier zu erfahren.

Jahresrückblick 2016 – Teil 2

Bereits im Vorfeld wurde jetzt klar, dass sich die Titelverteidigung in diesem Jahr wesentlich schwieriger gestalten wird, als es das letzte Jahr war. Zum einen haben sich 2 weitere sauschnelle Leute zum Cup angemeldet und 3 alte Bekannte Jungs haben sich über den Winter mal richtig fit gemacht und verbrachten gefühlt die ganze Zeit in Spanien, um zu trainieren.

Herausforderungen sind aber nun mal da, um angenommen zu werden.

Zur ersten Station Anfang Mai in Most ging es nun wie üblich zu Saisonbeginn hoch motiviert und voller Vorfreude los. Endlich wieder die ganzen Gesichter sehen und endlich wieder Racing.

Wie erwartet platzierte ich mich in den Trainings in den Top-6… es war in diesem Jahr teilweise echt knapp zwischen den ersten 6-8 Fahrern. Bei den Rennen war es deshalb umso wichtiger, keine Fehler zu machen, da man einen Rückstand nur schwer wieder aufholen kann, wenn alle etwa gleichschnell sind. Die beiden Rennen in Most verliefen ohne nennenswerten Zwischenfälle und ich beendete dieses auf P4 und P6. Nicht gerade eine Glanzleistung, aber ich merkte nun doch, dass mir ein bis eineinhalb Sekunden auf meine bisherigen Resultate in Most fehlen. Irgendwie sitzt mir der Crash doch noch in den Knochen. Das ganz komisch. Ich kann das auch nicht erklären. Irgendwie hatte ich kein hundertprozentiges Vertrauen zum Vorderrad bzw. beim anbremsen. Na gut, dann ist das eben so. Es wird schon wieder dachte ich mir.

Die zweite Station war in diesem Jahr der Lausitzring. Nicht wirklich meine Lieblingsstrecke. Und dann wurde auch noch Regen vorhergesagt. Lausitz und Regen… das geht doch nicht. Also ging es mit gemischten Gefühlen dorthin. Der erste Tag ging noch so halbwegs und es blieb bis späten Nachmittag trocken. Auf eine gute Rundenzeit kam ich trotzdem nicht. Da für den ganzen nächsten Tag Regen vorhergesagt wurde, war mir das aber auch egal, da ich in der Lausitz bei Regen kein Rennen fahren werde. Da kann man im Prinzip nur verlieren bzw. ein Haufen Schrott produzieren. Noch mal nicht dieses Jahr.

Eine Woche später schob ich nochmal einen Zusatztermin ein…irgendwie musste ich doch wieder zu alter Stärke zurückfinden. Und es ging wieder nach Ungarn zum Pannoniaring. Dort hatte den Speed ein wenig verloren…dort wollte ich ihn mir jetzt auch wieder holen.

Und hier lief es jetzt wieder ganz gut. Noch nicht perfekt, aber so langsam gewann ich wieder Vertrauen zur Bremse.

Ende Mai dann ging es nach Brno. Das letzte Mal, als ich hier war konnte ich sensationelle Zeiten fahren und hoffte natürlich, dass ich dort wieder anknüpfen kann.

Schon in den Trainingssessions merkte ich aber, dass dem nicht so ist. Ich fühlte mich zwar schnell, der Laptimer sagte aber was anderes. Ich tat mich unwahrscheinlich schwer, auf gute Zeiten zu kommen. Meine Mitstreiter dagegen sind alle flott wie die Wiesel unterwegs. Woran liegt das bloß? Ich weiß es nicht. Im Rennen am 2. Tag dann konnte ich einen 7. Platz einfahren. Mehr war nicht drin. Meinen Rundenzeiten waren etwa 2 Sekunden langsamer als im Jahr zuvor. Bis heute weiß ich nicht, warum. Für die Meisterschaft sah ich nun meine Fälle endgültig dahinschwimmen und fand mich auch damit ab.

Ich habe nun meine Strategie geändert und mir als Ziel nur noch gute Einzelresultate vorgenommen. Dennoch machte ich mich zu Hause mal auf Fehlersuche am Motorrad. An irgendwas muss es doch liegen, dass plötzlich nicht mehr so gut zurecht komme. Aber ich würde nicht fündig. Ich stellte das Setup praktisch wieder in den Ausgangszustand und beließ es dann dabei. Ich fand mich damit ab, dass es eben nicht immer perfekt läuft.

Die nächste Station war nun Anfang Juni die erste von zwei Oschersleben-Veranstaltungen. Ohne Meisterschaftsdruck im Hinterkopf freute ich mich wieder ein bisschen mehr darauf. Auch, weil mich eine nette Überraschung erwartete. Ich durfte von meinem Freund Ossi die kleine MV Augusta F3 675 probieren. Damit startete ich auch meinen Trainingstag und wow… Das Ding lässt sich ja geil fahren. Direkt in der dritten fliegenden Runde hat der Ellenbogen auf dem Asphalt geschliffen…man ist das Ding handlich. Und einen irren Kurvenspeed kann man damit fahren. Wahnsinn. Vielleicht habe ich genau das mal gebraucht. Dann im nächsten Turn bin ich auf die 1000er geklettert und konnte nun auch damit von Beginn an super Zeiten fahren. Jetzt hatte ich wieder dieses gewisse Gefühl. Das Quali beendete ich mit der 1000er dann auf P2. Den letzten Turn am Nachmittag fuhr ich dann nochmal mit der MV. Dies war auch gleichzeitig der letzte Quali-Turn für die Rennen. Ich fühle mich auf der kleinen MV wieder richtig gut. Da an dem Motorrad kein Laptimer montiert war, wusste ich allerdings nicht, wie schnell ich bin. Als ich rein kam empfingen mich meine Boxenkollegen völlig freudestrahlend und meinten, ich habe die MV bei den 6ern auf P3 gestellt. Wow! Das war ja gar nicht so schwer. Ich ging vor zum Veranstalter und meldete mich daraufhin auch zum 6er Rennen für den nächsten Tag an.

Als es dann losging mit den Rennen freute ich mich richtig auf meinen ersten Einsatz im 6er-Feld. Von P3 aus gestartet konnte ich mich direkt an den Führenden dran heften und ihn sogar attackieren. Am Ende hab ich es aber gut sein lassen und fuhr (mit dem geliehen Motorrad) den 2. Platz ins Ziel. Am Ende reichte es sogar zur schnellsten Rennrunde… und das in meinem ersten 600er-Rennen.

Das war bis dahin definitiv das erste richtige Highlight der Saison.

Dann, 20 Minuten später, startete ich mit der BMW ins 1000er Rennen. Hier konnte ich mich ebenso an den Führenden dranhängen und fuhr auch hier mit Kurs auf P2. Kurz vor Ende des Rennens aber, musste ich beim Überrunden etwas zurückstecken und da wurde ich noch von einem anderen Kontrahenten kassiert und wurde am Ende Dritter.

Aber was für ein Tag: 2x auf dem Podium. P2 & P3. Super war das. Vielleicht habe ich genau das – eine Art Tapetenwechsel – mal gebraucht.

Jahresrückblick 2016 – Teil 1 PreSeason

Im Nachhinein betrachtet verlief 2016 ganz schön turbulent und durchwachsen. Wie bereits angekündigt, startete ich die Saison Ende März am ungarischen Pannoniaring. Die Vorfreude war riesig groß und so fieberte ich dem Tag der Abreise entgegen.

Dort angekommen haben wir alles ausgeladen und unsere Box bezogen. Übernachtungen haben wir dieses mal im Streckenhotel gebucht. Das ist zwar kein Luxushotel, aber unterm Strich besser, als für die lange Anfahrt den Wohnwagen hinten anzuhängen.

Am ersten Tag ging es im Prinzip nur darum, sich wieder an die Geschwindigkeit zu gewöhnen und abzuchecken, ob am Motorrad alles in Ordnung ist. Leider hatte ich elektronische Probleme am Motorrad – es fiel immer in den Notlauf. Unzählige Mal habe ich die Verkleidung abmontiert, alle Steckverbindungen kontrolliert, die Batterie abgeklemmt und wieder zusammengebaut. Es funktionierte dann auch immer mal kurz, um dann wieder in den Notlauf zu fallen. Irgendwie war der Wurm drin. Zumindest habe ich vor Ort eine Möglichkeit gefunden, das Motorrad zu starten, ohne dass es in den Notlauf Modus fällt. Jedoch immer nur so lange, bis ich die Zündung ausschaltete. Danach musste ich das Steuergerät immer wieder neu resetten.

Durch die ganze Schrauberei vor Ort konnte ich mich allerdings nicht wirklich auf das Setzen von schnellen Rundenzeiten konzentrieren und somit qualifizierte ich mich am zweiten Tag für die Sprintrennen lediglich in der 3. Startreihe.

Dann war es soweit – das erste Rennen stand an. Bereits zum Vorstart in die Warmup-Runde kam ich super weg und habe 4 oder 5 Positionen bis zur ersten Kurve gut machen können. Die neue Kupplung funktioniert prima. Beim richtigen Rennstart dann gelang mir das auch wieder und ich fand mich nach der ersten Kurve auf P4 wieder. Ich kam jetzt doch gut rein und konnte mit den schnellen Österreichern ganz vorn gut mithalten. Natürlich wollte ich noch weitere Positionen gut machen und heftete mich an den Dritten und wartete auf eine Überholmöglichkeit.

Es war dann in der vierten oder fünften Runde als ich merkte, wie der Druckpunkt meiner Bremse wanderte und ich den Bremshebel ganz schön weit ziehen musste, um die entsprechende Bremsleistung zu erhalten. Wirklich Gedanken habe ich mir in dem Moment darüber aber auch nicht gemacht. Nach einer schnellen Rechtskurve, welche man so mit etwa 180km/h durchfährt kommt danach eine weitere Rechtskurve, welche aber wesentlich enger und dementsprechend langsamer zu durchfahren ist. Ich wollte anbremsen und dann erlebte ich den Super-Gau. Ich Griff ins Leere… Ahhhhr…nicht gut. Ich hatte Null Bremswirkung. Die Kurve zu kriegen war so nicht drin, also entschied ich mich zu verlassen der Strecke, gerade aus ins Kiesbett. Nur bei der Geschwindigkeit ist so ein Kiesbett auch nicht wirklich groß…ich sah schon den Streckenzaun auf mich zukommen. Also entschied ich mich vom Motorrad zu trennen und sprang ab. Bremsen konnte ich ja nicht mehr. Hossa die Waldfee. Das hat ganz schön gerumpelt. Mir ist aber nichts weiter passiert – abgesehen von ein paar blauen Flecken und ein paar Kratzern. Zusammen mit einem Streckenposten hob ich das Motorrad auf und schob es erst mal an die Seite… auf den ersten Blick sah das gar nicht so zerstört aus.

Zurück an der Box habe ich das Bike inspiziert… Leider waren ein paar Sachen kaputt, welche ich vor Ort nicht reparieren konnte. Somit war für mich die erste Veranstaltung erledigt.

Aber was war der Grund für das Bremsversagen? Bei der Ursachenforschung fiel mir dann auf, dass die Entlüftungsschraube von einem der Bremssättel undicht ist. Vermutlich habe ich diese zu fest angezogen und damit überdreht. Dadurch wurde es undicht und hat dann bei hoher Temperatur Luft gezogen.

Schöne Bescherung. Wegen eines defekten 5€-Schräubchens habe ich nun einen doch nicht ganz unerheblichen Schaden am Bike, wie es zunächst aussah.

Ich musste die komplette Auspuffanlage tauschen, der Kühler war kaputt, Lenkerstummel und Fußrastenanlage rechts waren kaputt und natürlich die Verkleidung musste ich erneuern. Die neuen Entlüftungsschräubchen für die Bremse sind da im Prinzip gar nicht ins Gewicht gefallen.

Nun ja, es ist wie es ist. Nun wollte ich natürlich vor dem ersten Cuplauf Anfang Mai unbedingt noch einmal das Motorrad probieren und bucht mir Mitte April noch einen Zusatztermin in Most.

Dort lief eigentlich alles ganz gut…hier bin ich jetzt auch dem Fehler mit dem Notlauf auf die Schliche gekommen. Der Slick-Stecker der BMW hatte einen Wackelkontakt. Und wenn der nicht da ist, schaltet das Motorrad in den Notlaufmodus. Auch das ist wieder eine lächerliche Sache. Im Prinzip ist der Slick-Stecker nur eine Kabelbrücke. Ein Cent-Artikel. Aber zumindest ist auch dieses Problem behoben.

Alles andere funktionierte aber und nun konnte der Cup losgehen. Da ich die Ursache für meinen Sturz kannte dachte ich, dass ich kopfmäßig keine Probleme mit meinem High-Speed-Abflug in Ungarn habe. Ich fühlte mich gewappnet für die erste Cup-Veranstaltung in Most.

 

2016 – Es geht wieder los

Nachdem ich rückblickend die vergangene Saison 2015 durchaus als erfolgreich bezeichnen kann sind die Vorbereitungen für 2016 inzwischen auch abgeschlossen.

Direkt nach dem letzten Event am Pannoniaring in Ungarn, machte ich mich daran, das Bike zu zerlegen, den Motor auszubauen und zum Revidieren zu bringen. Ich musste nämlich in Ungarn feststellen, dass vermutlich meine Kopfdichtung nicht mehr das machte, was sie soll…abdichten. Ich hatte immer wieder Druck im Kühlwassersystem, selbst nachdem der Motor abgekühlt war. Und das deutet in aller Regel auf Undichtigkeiten am Zylinderkopf hin…bestenfalls ist dann eben nur die Kopfdichtung hin.

Gesagt – getan und das Ergebnis war: Kopfdichtung war hin ;). Also, alles halb so wild.

Mitte Dezember bekam ich den Motor dann „frisch“ überholt zurück und ich machte mich auch gleich daran alles wieder zusammen zu bauen. Aber mal der Reihe nach…

Jetzt, wo sowieso alles auseinandergebaut ist, kann ich gleich noch ein wenig den Kabelbaum um die Kabel erleichtern, welche ich nun wirklich nicht benötige. Das macht ganz schön viel Arbeit, aber gut…einmal angefangen, muss man es auch durchziehen.

Dann setzte ich das Motorrad wieder Stück für Stück zusammen.

 

2016 – neuer Sponsor

Das Jahr 2016 war erst ein paar Tage alt und es gab dann auch schon „good News“. Ich erhielt einen Anruf von Michael Fritze, dem Chef und Inhaber unseres regionalen BMW Auto- und Motorradhauses. In einem wirklich guten Gespräch konnten wir uns auf eine Zusammenarbeit einigen.

Somit hatte ich in diesem Jahr einen neuen Sponsor – und der soll ja mindestens auch auf dem Motorrad zu sehen sein. Das hieß also für mich, mir über das Design erneut Gedanken zu machen.

Zwar hatte ich der „Lotte“ letztes Jahr schon ein neues Kleid verpasst, aber das heißt ja nicht, dass ich das nicht nochmal neu machen kann. Den Gedanken gefasst, und dann auch gleich umgesetzt. So nahm ich dieses mal aber eine leichte Carbonverkleidung als Basis und bemühte abermals meinen Plotter und Co.

Von den Farben her, wollte ich mich mal ein bisschen vom weißen Untergrund lösen und das Ganze etwas dunkler bzw. invers gestalten. Rot als Kontrastfarbe ist geblieben, irgendwie habe ich mich daran gewöhnt…

 

Jetzt ist also alles soweit fertig und eine Woche nach Ostern geht es dann dieses Jahr los. Als Warmup in die Saison fahren wir dieses Jahr aber nicht nach Aragon in Spanien, sondern haben uns wieder den ungarischen Pannoniaring dafür ausgesucht. Jetzt hoffe ich mal, dass ich an meine Leistungen vom Ende der letzten Saison anknüpfen kann und schnell wieder auf Speed komme.

Laut Starterliste wird es dieses Jahr in der FR-Challenge ein volles Feld geben. Viele schnelle Jungs haben sich als Cupfahrer angemeldet…da sollten keine Fehler passieren, wenn man vorn wieder mitmischen will.

 

Saison 2015: Station 8 in Most (II) – Finale

Das letzte Septemberwochenende steht traditionell im Zeichen des Finales der FR-Challenge im tschechischen Most. Im Prinzip meine Lieblingsstrecke im Kalender. Hier fühle ich mich ein bisschen wie zu Hause. Laut Wettervorhersage sollte es bei Temperaturen zwischen 10-18 Grad trocken bleiben. Das passt dann schon mal.

Ausgeruht und frisch aus dem Urlaub machte ich mich Donnerstag kurz nach dem Mittag auf den Weg Richtung Most. Dort kam ich gegen 18:30 Uhr an und gesellte mich zu den anderen bereits dort wartenden Mitstreitern um die übliche Begrüßungszeremonie abzuhalten. Etwa 19:00 Uhr durften wir dann das Fahrerlager okkupieren; ich bereitete meinen Boxenplatz und den Wohnwagen für die nächsten 3 Tage vor.

Freitag

Mein Plan war es, recht schnell meinen Rhythmus zu finden und gleich von Beginn an zu pushen. Das erste Training für die schnellste Gruppe war für 10:00 Uhr angesetzt. Mein Plan ging auf und ich konnte in der 3. gezeiteten Runde bereits 43er Zeiten gehen. Das Motorrad fühlte sich gut an. Am Setup brauchte ich also nichts ändern. Im zweiten Training konnte ich mich auf 41er Zeiten verbessern und setzte mich auch an die Spitze des Klassements.

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Soweit sah es dann ganz gut aus für mich. Es gab jetzt noch zwei weitere Sessions, welche auch das Qualifying für das erste Sprintrennen am späten Nachmittag bildeten. In diesen zwei Sessions konnte ich mich noch weiter steigern und brachte eine tiefe 41er Zeit auf den Asphalt…Güdy ist aber auch munter geworden und drückte sich mit einer 1:40.6 an die Spitze der Liste. Na gut. Stehe ich eben auf P2 – Hauptsache erste Reihe.

Dann kamen die Aufrufe für das erste Rennen. Ich spendierte meiner Lotte (das ist der Kosename für mein Motorrad) einen neuen Hinterradreifen. Die Asphalttemperatur ist dank der Sonne auf 34 Grad geklettert – ich habe ein wenig gegambled und entschied mich für einen sehr sehr weichen Reifen. Dabei handelte es sich im Prinzip um einen Qualifyer, welchen die IDM-Jungs eben für das Quali benutzen. Die fahren aber auch noch um einiges schneller dachte ich mir und vertraute darauf, dass er die 11 Runden schon durchhalten wird.

Dann ging es los. Nach der Aufwärmrunde positionierten wir uns…Ampel auf Rot…Ampel aus und Feuer frei! Mein Start war so mittelprächtig und ich ordnete mich als dritter nach der ersten Kurve ein. Güdy und ein Gaststarter vor mir. Beide konnten sie mir nicht davon fahren, also probierte ich auf Start/Ziel das erste Überholmanöver. Das klappte erst mal nicht. Ich war spät auf der Bremse – die anderen beiden aber auch. Ok. Dann bleibe ich eben erst mal dahinter… Nächste Runde, gleiche Stelle, selbe Welle…nur dieses mal kam ich besser aus der letzten Kurve und konnte noch mehr Speed mit auf die Geraden nehmen. Noch weit vor dem Anbremspunkt ordnete ich mich vor Beiden! ein und bremste wieder extrem spät; wählte auch gleichzeitig die Kampflinie… Dieses mal hat es geklappt und ich ging in Führung. Jetzt hatte ich freie Fahrt und konnte meinen Stiefel fahren. Mein Dashboard zeigte mir 40er Zeiten…das war gut. Ich drehte mich an der Spitzkehre mal kurz um, um zu sehen, was die beiden hinter mir so machen und sah, dass ich schon einen kleinen Vorsprung von etwa 2-3 Sekunden hatte… Supi, dachte ich mir und konzentrierte mich jetzt auf saubere Runden und wollte keine Fehler machen. Wieder über Start/Ziel dachte ich mir, jetzt knallst’e hier mal eine Hammerrunde hin, bevor es ans Überrunden geht… Voll konzentriert gelangen mir auch die ersten Kurven nahezu perfekt; das Dashboard sagte an der ersten Zwischenzeit -0.6 zur bisherigen Bestzeit. Am zweiten Messpunkt standen -0.8 und über Startziel blieb die Zeit bei 1:39.9 stehen!* Wau! Glücklich und ein wenig erschrocken zugleich verpasste ich fast den Bremspunkt Ende der Geraden. Jetzt wollte ich eigentlich gleich noch einen draufsetzen, da ich die Runde zum Ende hin gar nicht so perfekt fand… bloß nun merkte ich, dass der Grip am Hinterrad deutlich nachließ.

Hatte ich mich mit der Reifenwahl doch verzockt? Hmm. Gut, dann bleib konzentriert, wird’s halt keine noch bessere Runde… Sieg nach Hause Fahren war die Devise. In den letzten beiden Runden verlor ich relativ viel Zeit durch überrundete Fahrer. Es ist halt immer blöd, wenn man an ungünstigen Stellen aufläuft. Aber der Güdy hinter mir muss da ja auch durch…

Doch das hat er wohl wesentlich besser hinbekommen als ich… ich hörte an jeder Kurve sein Motorrad hinter mir. Letzte Runde: Jetzt nur keinen Fehler machen…
Als ich unterhalb vom Fahrerlager auf vorletzte Rechtkurve und letzte echte Überholmöglichkeit zufuhr, hatte ich zwei Möglichkeiten: Fährst du jetzt innen Kampflinie oder eben die Ideallinie (welche die schnellere ist, aber innen die Tür offen lässt)?

Ich entschied mich für die Kampflinie… und das war die falsche Entscheidung. Dadurch, dass ich innen fuhr, meine Kurve daher etwas enger wird, musste ich natürlich auch etwas eher und weiter runter bremsen… Kurz bevor ich umlegte quetschte sich Güdy außen neben mich und zog mir vor’s Vorderrad…Waaahhh??? Wie hat er das denn gemacht? Schöne Sch..ße dachte ich mir… Letzter Versuch: Besser auf Start/Ziel rausfahren: Ich positionierte mich entsprechend und ging viel früher als sonst ans Gas… Das hätte beinahe im Dilemma geendet. Mein Hinterrad hatte überhaupt keinen Grip mehr und ich hatte zwei heftige Rutscher, so dass es mich beinahe abwarf… 0,386 sec hinter Güdy passierte ich die Linie… Meine Herren! Das war ein Weltklasse-Manöver vom Güdy. Ganz ehrlich: Den Sieg hat er wieder mal verdient.

Podest SR1

Hmm. Für die Meisterschaftsgesamtwertung bedeutet das, dass es noch spannender wird. Güdy hat damit wieder 2 Punkte aufgeholt und mein Vorsprung in der Gesamttabelle schmolz auf magere 4 Pünktchen.

Am Abend kam mein Schatz auch nach Most nachgereist, um mir dann für den alles entscheidenden Lauf am Sonntag zur Seite zu stehen.

Mit unserer Boxencrew ließen wir den Abend auf der Burg in Most mit einem wirklich tollen Abendessen ausklingen… (kann ich nur empfehlen da oben das Burgrestaurant).

Samstag

Der 2. Tag bei einer 3-Tages-Veranstaltung steht immer ganz im Zeichen des Langstreckenrennens. Ich hatte mich mit meinem Teamkollegen Krato auch dazu angemeldet. Nach einem kurzen Warmup am Morgen gab es gleich die Qualifikations-Session für das Endurance-Rennen. Noch am Freitag Abend entschieden Krato und ich, dass ich das 20-minütige Quali fahren werde.

Das tat ich dann auch und stellte uns für die Langstrecke auf Pole! (er meinte, er habe auch nichts anderes erwartet).

Einen Bericht zu dem Langstreckenrennen an sich werde ich später unter der Rubrik Poho-Racing zusammen schreiben.

Nach dem Quali zur Langstrecke folgten 2 weitere Qualifikationsläufe für die Startaufstellung des morgigen letzten Sprintrennens. Dabei wurde es auch schon wieder ein wenig ernst. Das war ja wichtig in Bezug auf die Meisterschaft.

In der ersten Session kam ich gut zurecht und hatte auch ein oder zwei freie Runden und brachte eine 1:41.3 zu Papier. Soweit läuft es erst mal und ich habe die provisorische Pole erklommen. Nun folgt noch ein weiterer Durchgang.

Und jetzt kam mir tatsächlich ein bisschen das Wetter zugute. Den ganzen morgen schon war es zwar trocken, aber der Himmel war mit dunklen Wolken verhangen. Nun begann es sogar ganz leicht zu tröpfeln… bei feuchter Strecke wird sich wohl niemand mehr verbessern.

So kam es dann auch. Man konnte zwar mit Slicks auf die Strecke gehen, aber verbessert hat sich dann niemand mehr. Ich selbst konnte unter diesen Bedingungen auch nur noch hohe 41er Zeiten fahren. Man merkt dann deutlich, dass der Grip mit Slicks bei diesen Bedingungen nachlässt.

Güdy stand sogar nur auf P4. Aber immerhin noch in der ersten Startreihe. Das war dann schon mal ein Teilerfolg für mich und eine perfekte Ausgangslage für den Sonntag.

Nachmittags fand dann das 2-Stunden-Langstrecken-Rennen statt und somit war Tag 2 auch schon wieder erledigt.

Am Abend ließ ich es ruhig angehen, verzichtete auf alkoholische Getränke (was in so einem Fahrerlager nicht so einfach ist, wenn alle am Feiern sind), hielt mich an zwei alkoholfreien Radlern auf und machte mich gegen 23.00 Uhr ins Bettchen. Ich wollte ausgeruht sein für das letzte Rennen.

Sonntag

Tag der Entscheidung. Vom Zeitplan her gab es direkt morgens um 9:00 Uhr ein 20-minütiges Warmup und danach ging es direkt mit den Sprintrennen der einzelnen Klassen los. Das Rennen der 1000er sollte gegen 11:30 Uhr starten.

Nach dem Warmup machte ich mein Motorrad für das Rennen fertig…ich spendierte nochmal neue Bremsbeläge, machte einen anderen Hinterradreifen drauf als noch am Freitag und betankte die Lotte.

Nun merkte ich schon, dass ich doch ganz schön aufgeregt bin. Immer wieder betrachtete ich mein Motorrad und überlegte, ob ja auch alles in Ordnung ist. Den Luftdruck habe ich geschätzte 10x kontrolliert usw…

Dann war es soweit. Dritter und letzter Aufruf zum Rennen. Ich zog mich an, mein Schatz gab mir noch ein Küsschen und sagte mir: Du schaffst das! Ich war mir nicht so sicher. Ein Sturz und es wäre vorbei. Oder ein technisches Problem. Oder oder oder…

Als ich dann aber rausfuhr in die Startaufstellung waren diese ganzen Gedanken verschwunden… Mein Kopf hat wieder auf Racing-Modus umgeschaltet. Und das bedeutet dann, dass ich doch wieder ganz fokussiert auf die Sache an sich eingestellt war.

In der Startaufstellung erwartete mich dann mein Schatz, um mir noch ein letztes Mal vor dem Rennen alles Gute zu wünschen.

Grid-Girl

Dann ging es los. Ampel aus und los geht’s… Wieder habe ich den Start nicht perfekt hinbekommen. Mist. Aber wieder war ich hinter genau den selben beiden Dritter. Dieses mal aber war Güdy ganz vorn, der Gaststarter (Max) zwischen uns. Irgendwie eierte Güdy da vorn ganz schön rum… richtig schnell war das alles nicht. Er bremste viel früher als sonst und war auch in den Kurven nicht sonderlich schnell. „Was ist denn bei dem los?“ dachte ich mir. Und als ich mich noch so wunderte waren schwupps Basti und auch Krato an mir vorbei, weil ich viel früher bremsen musste als nötig gewesen wäre. Aber ich kann ja auch nicht durch den vor mir Fahrenden durchfahren. Hmm. „Was ist das den jetzt?“ ging mir durch den Kopf. Wir blieben aber alle dicht beisammen. Die ersten 7 Fahrer lagen innerhalb einer Sekunde. Und das bestimmt 5-6 Runden lang. Wenn das Rennen jetzt so ausgeht, dann hat Güdy die Meisterschaft gewonnen. Das will ich natürlich verhindern, um selbst den großen Pott zu gewinnen.

Da das Zeitenniveau nur auf 42er Zeiten war, konnte ich Krato und auch Basti wieder überholen. Beide waren auch absolut faire Sportsmänner und machten es mir beim Kampf um den Titel nicht sonderlich schwer, vorbei zu kommen.

Inzwischen habe ich auch kapiert, was Güdy vor hat. Richtig schlau der Junge… Er fuhr gezielt die Lorenzo-Taktik aus Valencia 2013. Das heißt: Damals war es Lorenzos einzige Chance auf den Titel, wenn er gewinnt und Marquez nur als 5. oder noch dahinter ins Ziel kommt. Er fuhr damals absichtlich an Stellen langsam, wo man schlecht oder gar nicht überholen kann, um hinter sich das Feld zusammen zu halten und die Gegner sich so gegenseitig beharken. Lorenzo hoffte damals auf einen Fehler von Marquez oder zumindest, dass sich einige Fahrer zwischen ihn und seinen Rivalen schieben. Genau das machte Güdy auch. Ihm hätte es ja gereicht, wenn nur ein anderer Cupfahrer zwischen uns ist, wenn er gewinnt. Dann hieße es Punktgleichheit und das ginge zugunsten von Güdy auf. Er hat mehr Siege in dieser Saison eingefahren.

Als mir das klar wurde ließ ich keine Möglichkeit mehr aus, ihn zu attackieren und startete einen Überholversuch nach dem anderen. Er wehrte sich mit allen Mitteln der Kunst. Bis ich irgendwann besser durch die Schikane Ende Start/Ziel kam…das nutzte ich sofort aus und zog beim Rausbeschleunigen auf die lange Linkskurve an ihm vorbei…

Jetzt waren es noch knapp 4 Runden zu fahren und ich gab Gas… Prompt fuhren wir tiefe 41er Zeiten… und ich pushte eben so gut es ging. Ich konnte mich auch vorn behaupten…die letzten beiden Runden waren wieder durch Überrundungen geprägt… hoffentlich komme ich da jetzt gut durch…noch war nichts in trockenen Tüchern. Aber ich kam gut durch…Güdy aber auch und er klebte wie ein Schatten an meinem Hinterrad.

In der letzten Runde habe ich nochmal alles gegeben…nur keinen Fehler machen. Bei der Anfahrt auf die letzte Überholmöglichkeit unterhalb vom Fahrerlager gab ich wirklich alles, um nicht dort wieder von ihm kassiert zu werden. Dieses mal habe ich mich für die schnellere Ideallinie entschieden… und das war die bessere Entscheidung als am Freitag.

Ich blieb vorn und überquerte kurz darauf die Ziellinie als erstes vor Güdy…

Die Zuschauer sprachen danach von einem haarsträubenden Krimi, der sich ihnen bot. Ich selbst habe das auf dem Motorrad gar nicht so mitbekommen. Dass es knapp zwischen uns wird, war ja vorher schon klar…dass es aber so knapp wird, habe auch ich nicht erwartet.

Nach der schwarz-weiß-karierten Flagge ist mir dann richtig ein Stein vom Herzen gefallen. Ich habe es tatsächlich geschafft. Ich habe das Rennen gewonnen und damit den Meistertitel in der FR-Challenge nach dem letzten Jahr auch dieses Jahr wieder eingefahren. Die Saison mit einem Sieg zu beenden ist Balsam für die Rennfahrerseele…

Siegerehrung Sonntag

Die Pokale der beiden Sprintrennen und der vom Langstreckenrennen am Samstag
Die Pokale der beiden Sprintrennen und der vom Langstreckenrennen am Samstag

Nun ist die Saison 2015 fast schon wieder vorbei…eine Abschlussveranstaltung am Pannoniaring Mitte Oktober fahre ich noch…doch diese ist nur zum Ausklang der Saison gedacht…völlig befreit von Meisterschaftsgedanken und der Anspannung diesbezüglich.

Anhand dieser kleinen Geschichte aus Most wird auch noch mal deutlich, dass die FR-Challenge @ FR-Performance eine bis zu den letzten Metern spannende Amateur-Rennserie ist. Aufgrund des eigenen Punktesystems, welches abweichend von den klassischen Systemen ist, gibt es nicht schon Mitte der Saison irgendwelche Ausreißer, die dann nicht mehr eingeholt werden können, sondern es bleibt eben spannend bis zum Schluss.

* im Nachhinein stellte sich allerdings raus, dass mein Laptimer irgendwelchen Mist angezeigt hat. Die offizielle schnellste Rundenzeit laut Zeitnahme war eine 1:40.7