Technik Teil 1: Umbau zum Racebike

Hier gebe ich mal ein paar Details preis, wie ich meine Straßen-RR aus dem Laden in ein echtes Racebike umgebaut habe. Sicherlich gehe ich nicht auf jede Einzelheit ein, da sich hier auch vieles dynamisch evaluiert und einem ständigen Änderungs-/Verbesserungsprozess unterliegt.

Meine K67 habe ich im Juli 2019 beim Händler abgeholt, dann erstmal für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen und ich habe das Motorrad dann ganz normal auf der Straße 1.000km eingefahren. Die RRs von BMW sind während des Einfahrprozesses auf 9.000 U/min gedrosselt, die maximale Leistung konnte ich also da noch nicht abrufen. (braucht man auf der Straße sowieso nicht!)

Nach dem das dann erledigt war, ging das Motorrad nochmal zur Einfahrkontrolle zurück zum Händler; im Anschluss wurde sie auch entdrosselt und nun konnte ich das erste Mal auch voll durchladen… Wow! Da hat sich im Vergleich zum Vorgängermodell (K46) echt was getan. Im oberen Drehzahlbereich schiebt die Neue nochmal richtig an im Vergleich zum alten Modell. Nicht schlecht.


Die Basics

Nun gut – bis hier hin ist es ja noch ein Straßenbike. Die offensichtlichsten Änderungen auf der Verwandlung zum Rennsportgerät sind ja:

– Rennverkleidung
– „freie“ Abgaskomplettanlage
– Bereifung -> Slicks
– Motorschutzdeckel
– Rahmen- und Schwingenschoner

so sah das gute Stück original aus……und so nach den „ersten“ Maßnahmen

Bei der Rennverkleidung habe ich die PremiumPlus-Verkleidung von FiMa-Racingparts verbaut. Es handelt sich dabei um eine Voll-Carbon Verkleidung, welche im Autoclave-Verfahren hergestellt wird.
Beim Auspuff setze ich auf bewährtes Material und habe eine Voll-Titan-Anlage aus dem Hause Akrapovic verbaut. Allein durch diese beiden Umbaumaßnahmen konnten sich schon etwa 15kg Gewicht einsparen lassen. Im Rennsport zählt halt nicht nur höher weiter schneller, sondern eben auch leichter und dadurch agiler.

Die GB-Racing Motorschutzdeckel sind kein Muss, dennoch sinnvoll. Denn, wenn man doch mal stürzt und das Motorrad länger auf der Seite über den Asphalt rutscht, ist die Gefahr, dass es einen der Motordeckel durchschleift dadurch geringer.

Genauso ist es mit den Rahmen- und Schwingenschonern. Auch diese sind aus Carbon und ebenfalls im Autoclave-Verfahren hergestellt. Auch von FiMa-Raichngparts. Genau wie die Verkleidung super passgenau. Und Aussehen tut es auch noch sehr sehr geil.

Und Slicks verstehen sich von selbst. Straßenreifen sind für die Straße da, Rennreifen (Slicks) für die Rennstrecke.



Die Feinheiten

Soweit so gut – jetzt haben wir ein leichteres Bike, welches an sich so schon Ready to Race ist. Allerdings gebe ich mich mit „soweit so gut“ noch nicht wirklich zufrieden.

Als nächstes muss die Elektronik angepasst werden. Ich brauche weder Seitenständer, noch Aktivkohlefilter in der Tankentlüftung, noch ein SLS-System. Klopfsensorsteuerung brauche ich auch nicht – die BMW kriegt nur guten Sprit. Auch die Klappensteuerung für den Serienauspuff muss ausprogrammiert werden sowie auch die Ansauggeräuschklappe vor der Airbox. Des weiteren sollte das Mapping an den offenen Auspuff angepasst werden und die Traktionskontrolle möchte ich gerne über Zünd-Cuts beim Regeln auch hören… Das alles habe ich von den Jungs von RS2E erledigen lassen. Es sind noch so viele andere Kleinigkeiten, die dadurch verbessert wurden (Gasannahme verbessert, Launch-Control immer aktiv beim losfahren usw.). Einfach ’ne geile Arbeit, welche die Jungs da abgeliefert haben. Und es funktioniert einfach perfekt!

Bleiben wir mal bei der Elektronik. Anfangs hatte ich ständig Probleme mit einigen Sensoren an der K67. Regelmäßig gingen die Lambdasonden hops und auch der Gangsensor hielt keine 200km. An das Thema musste ich ran. Bei den Lambdasonden gibt es „bessere“ im Angebot bei Alpharacing… die scheinen zu halten; zumindest habe ich damit seither keine Probleme mehr. Der Gangsensor aus der Serienproduktion ist irgendwie ein Mysterium… darin sind Chips verbaut, welche es eigentlich schon seit ein paar Jahren nicht mehr gibt. Nun ja. MCT Lohmann konnte mir da weiterhelfen und baute mir einen Gangsensor, welcher ebenfalls seither ohne Probleme funktioniert. Apropos MCT Lohmann, ebenso habe ich mir einen anderen Quickshifter/Blipper von ihm schicken lassen. Den FastShiftSensor FSS. Beide Sensoren, den Gangsensor wie auch den FSS könnte man auch über Alpharacing beziehen, ich habe aber die „originalen“ Lohmann-Produkte verbaut.

hier ist beides zu sehen: Der Lohmann FSS und auch dahinter der neue Gangsensor

Weiter beim Thema Elektronik. Für das originale Dashboard gibt es inzwischen zwar einen GPS-Empfänger, durch welchen man sich seine Rundenzeiten im Cockpit anzeigen lassen kann, jedoch kann dieser nur die volle Runde anzeigen. Nicht auch Zwischenzeiten (Sektorenzeiten). Daher habe ich mir dafür einen Starlane-GPS Empfänger (Stealth 4) angebaut. Der zeigt mir auch die einzelnen Sektoren an.

Als nächstes habe ich auch noch einen BMW/2D Datenlogger verbaut. Hiermit kann ich im Nachhinein auf ein echtes Datarecording-System zurückgreifen und nach jedem Turn die Fahrdaten auswerten.

Dafür habe ich mir mal in der Do-it-yourself-Variante einen Halter gebaut und entsprechend am Bike angebracht.

Ich habe dazu die Verkleidung am Höcker entsprechend ausgeschnitten und aus Memory-Carbon einen Halter darunter selbst gebaut. Unglaublich, wie gut das mit der Datenaufzeichnung funktioniert. Ausreden hast’e danach kaum noch welche. Alles wird angezeigt. Wann gebe ich Gas, wie hart bremse ich wirklich, welche Schräglage und welchen Top-Speed hatte ich in „echt“… Phhhuuu. Da wird einem bewusst, dass man nicht Jonathan Rea oder Toprak Razgatlioglu heißt.

Nun… jetzt ist es schon etwas mehr ein Race-Bike. Weiter geht es dann im Teil 2 dieses Technik-Ausfluges.