2020 – alles lief anders

Über den Winter musste ich mich etwas mehr um meine „neue“ S1000RR kümmern. Das DDC (Dynamic Damping Control) Fahrwerk sollte raus und ein konservatives Öhlins sollte rein. Leider hat auch hier die Coronapandemie dafür gesorgt, dass die bestellten Teile ewig nicht kamen. Und der März rückte plötzlich sehr schnell näher. Mein Saisonauftakt habe ich wie die Jahre zuvor in Valencia geplant. Anfang bis Mitte März.

Da es nicht absehbar war, ob alle Teile rechtzeitig eintreffen, gab ich dann für Valencia doch wieder meine alte K46 mit auf den Transportweg nach Spanien.

Im Nachinein betrachtet hatten wir richtig Glück, dass die Verantaltung auf dem Circuit Ricardo Tormo vor den Toren der Stadt Valencia wie geplant stattgefunden hat. Direkt nach unserer Heimreise gab es den internationalen Lockdown wegen der Coronapandemie. Vor Ort hat man davon nichts gemerkt. Das Wetter war super und ich holte mir auch schon den ersten Sonnenbrand in der spanischen Frühjahrssonne.

Wie die letzten Jahre auch ist der Saisonauftakt in Spanien immer ein lockeres Warmup in die Saison. Gemeinsam mit meinen Teamkollegen konnte ich mir den Winterrost von den Knochen fahren.

Wieder daheim wurde nun aber klar, dass dieses Jahr nichts mehr so sein wird wie die letzten Jahre. Durch den Lockdown wurden natürlich auch unsere Renntrainings und Cupveranstaltungen abgesagt. Die erste Veranstaltung nach dem Lockdown war dann zu Pfingsten Ende Mai auf dem Lausitzring. Da ich immernoch nicht alle Teile für die neue K67 beisammen hatte, nahm ich dorthin auch wieder die alte K46 mit.

Dort hatte ich dann aber wegen eines technischen Defektes (Kühwasseraustritt) einen heftigen Abflug mit der Folge, dass es a) dem Motorrad ganz schön zugesetzt hat, und b) auch ich eine Schlüsselbeinfraktur verkraften musste. Das hieß dann wieder 6 Wochen Zwangspause…

Auf unserer Teamhomepage gibt es einen interessanten Artikel zu dem Crash. (->zum Artikel).

Wie ging es dann weiter?

Endlich waren aber auch in der Zwischenzeit alle Fahrwerkskomponenten für die K67 eingetroffen und ich konnte diese endlich fertig bauen. Ende Juli war ich dann damit das erste Mal dieses Jahr zu einer netten Trainingsveranstaltung in Oschersleben. Hier konnte ich nun checken, ob alles am Motorrad läuft und auch, wie es mir so ergeht beim Fahren nach der Schlüsselbeinfraktur. Aber: Alles war gut und Mensch und Maschine hatten keine Probleme.

Die nächsten Stationen waren dann 2x Brno im August, Hockenheim (300 Meilen) und Most im September als Jahresabschluss. Coronabedingt gab es dieses Jahr keine Jahresgesamtwertung, somit waren das alles immer nur Einzelevents, zwar mit Rennen aber ohne Jahreswertung. Und auch jetzt wieder – Ende September – deutet sich der nächste Corona-Lockdown an. Tschechien wurde während unserer Veranstatung dort im September zum Corona-Risikogebiet erklärt. Mal sehen, wo das alles noch hinführt…

2017: Start in eine neue Ära

Nun ist der Winter endlich vorbei und die Saison 2017 hat begonnen. Dieses Mal hat sich für mich aber eine ganze Menge geändert. Neues Motorrad, neues Design, neues Team, neues Outfit, neue Klasse… kurzum: Eigentlich ist alles anders als bisher.

In meinem letzten Beitrag erwähnte ich ja schon, dass ich mir für 2017 schon was neues ausgedacht habe. Im zweiten Teil meines 2016er Jahresrückblickes hatte ich ja berichtet, dass ich die kleine MV Agusta F3 675 von meinem Freund Ossi probehalber pilotieren durfte. Und das hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Was bisher nicht erwähnte: Ich war ja direkt nach dem besagten Oschersleben-Event noch einmal mit der F3 in Most zum „ausgiebig probefahren“. Und was soll ich sagen? Der Gedanke zum Klassenwechsel reifte. Mit dem Ossi bin ich mir einig geworden und die MV wechselte von seinem in meinen Besitz. Mein erstes italienisches Motorrad.

Und jetzt kam auch noch dazu, dass ich mit 5 weiteren Freunden… jetzt darf ich ja sagen MV-Kollegen ein Team namens Mithos MV F3 Racing gründete. Man war das alles aufregend. 6 Leute und jeder hat irgendwelche anderen Ideen. Zunächst einigten wir uns auf ein Design und fingen an, uns über die Umsetzung Gedanken zu machen. Das Design stammt aus der Ideenschmiede samuxxdesign.com. Wir haben uns für das MV Agusta RC Petronas Design entschieden. In Anlehnung an das AMG-Petronas Formel1-Team. Hintergrund ist der, dass die Mercedes Tuning-Schmiede AMG einen beachtlichen Anteil an der Firma MV Agusta besitzt. Daher taucht das AMG-Logo auch überall bei den MV Agusta RC-Modellen auf. RC steht aber nicht für radio-controlled, sondern für Reparto Corse, der Rennsportabteilung von MV Agusta.

Jetzt brauchten wir noch einen Hersteller für die Verkleidungen. Fündig sind wir da auch in Italien geworden. Wir schickten alle 6 unsere Tanks zum umlackieren hin und bekamen diese dann samt kompletter Verkleidung in unserem Petronas RC-Design zurück.

Jetzt ging es um die Team Kleidung. Da sind wir über Stefan, unser SocialMedia-Beauftragter, an den Lederkombihersteller Mithos Sport herangekommen. Gleich Anfang Januar hatten wir dort in Wettingen in der Schweiz einen Termin zum gemeinschaftlichen Vermessen.

Entschieden haben wir uns für einen Einteiler in Kängeru-Leder mit eingebauten Protektoren. Wegen der Lieferzeit von etwa 8 Wochen gaben wir das Ganze dann auch gleich in Auftrag.

Mitte März hatten wir dann alle, alles zusammen und machten die Motorräder fertig. Ende März sollte es ja dann zum ersten Rollout an den Pannoniaring gehen. Das Ergebnis unseres gemeinschaftlichen Auftrittes kann sich in meinen Augen sehen lassen:

Doch nun mal zu den ersten Eindrücken. Das gute Gefühl, welches ich bereits im letzten Jahr für die F3 hatte, hat mich nicht verlassen – nein, es hat sich gleich von Anfang an bestätigt. Ich konnte sofort vom ersten Turn an ordentliche Rundenzeiten in den ungarischen Asphalt brennen und steigerte mich von Turn zu Turn weiter.

Alles am Motorrad lief perfekt, es gab wirklich nichts daran auszusetzen. Alles hat wunderbar funktioniert. Top-Job gemacht im Winter. Schließlich hatte ich die MV komplett zerlegt und dann wieder zusammengebaut. Da kann schnell mal irgend etwas nicht richtig passen oder so. Aber so war es nicht…Die kleine F3 wurde immer mehr zu „meiner“ MV.

Am Ende bin ich mit einer Rundenzeit von 2:03 min eigentlich ganz glücklich. Zumal ich im vergangenen Jahr mit der BMW und 100PS mehr auch nicht schneller war. Ein bisschen Potential sehe ich aber noch. Ich muss mich jetzt bei den kommenden Veranstaltungen eben noch mehr auf das 6er-Fahren umstellen. Gerade am Pannoniaring denke ich, an die 2:00min-Schallmauer heranzukommen. Mitte Mai bin ich wieder dort zu einem Cup-Lauf der FR-Challenge. Mal sehen, was dann unter Rennbedingungen dort geht.

Als nächstes geht es jetzt aber erstmal Ende April nach Most zum Cup-Auftakt.

Jahresrückblick 2016 – Teil 3

Nach dem letzten Oschersleben-Event im Juni war jetzt erst mal Sommerpause mit Familienurlaub angesagt.

Back on Track hieß es dann wieder Ende Juli, ebenfalls in Oschersleben, und hier gleich mit einer Besonderheit. Ein befreundetes Pärchen nutze die Tage vor dem Event, um in dem dortigen Hotel ihre Hochzeit zu feiern. Besser gesagt auf der Dachterrasse des Hotels mit Blick auf die Strecke. Viele bekannte Gesichter aus dem nationalen Motorradsport hat man dort getroffen. Für meinen Geschmack war das eine super Einstimmung auf die darauffolgende Cupveranstaltung.

Ich konnte an meine guten Zeiten von vor 6 Wochen hier anknüpfen und fuhr von Beginn an unter den Top-5 mit. Am Ende des Qualifying stand ich dann auf P4 und ging auch von dort aus ins Rennen. Die Zeitenunterschiede waren wieder sehr knapp. Die ersten 9 Teilnehmer standen innerhalb einer Sekunde bei 30er und 31er Zeiten. Für das Rennen hieß das wieder, keine Fehler zu machen. Die darf man sich bei solchen engen Resultaten eigentlich niemals erlauben, wenn ganz vorn mitspielen will. Ich Oschersleben ist die Besonderheit, dass es der kürzeste Kurs im Kalender für uns ist. Dadurch kommt es hier auch zu den meisten Überrundungen gegen Ende des Rennens. Das ist dann im Prinzip auch gleichzeitig die Schwierigkeit in Oschersleben. Gut an den Überrundeten vorbei zu kommen und nicht viel Zeit dabei zu verlieren. Aber genau das gelang mir dieses mal nicht ganz so gut. Am Ende verlor ich in den letzten beiden Runden 3 Positionen, nur weil ich beim Überrunden zu zögerlich war. Mit P6 am Ende war es für mich aber noch versöhnlich.

Die nächste Veranstaltung fand dann wieder auf der Traditionsstrecke in Brno statt. Nachdem ich im Mai nicht ganz so gut dort zurecht kam, war ich mal ganz gespannt, wie es denn dieses mal so laufen würde. Im Training und Quali kam ich aber gut zurecht und positionierte mich wieder so in der zweiten Startreihe als 7. Zumindest war ich schneller, als im Mai noch.

Beim dem Start des ersten Rennens am Freitag kam ich gut von meiner Startposition weg und sortierte mich als 3. oder 4. an der ersten Kurve ein. Plötzlich schoss aber innen jemand an mich heran und ich musste auf machen, um einen Crash zu verhindern. Ich musste deshalb weiter nach außen…dort war allerdings auch noch jemand, der mich traf. Der äußere Fahrer stürzte und ich musste geradeaus durch das Kiesbett. Glücklicher Weise stürzte ich nicht und konnte weiter fahren. Ich sortierte mich um Platz 30 oder so wieder ein. Mit dem Podest hatte ich fortan nichts mehr zu tun, jetzt galt es eben so viel wie möglich wieder gut zu machen. Am Ende wurde ich P12, fuhr aber zum Trost wieder sehr gute Rundenzeiten. Beim zweiten Rennen am Sonntag lief es dann besser. Die erste Kurve klappte dieses mal besser ohne Zwischenfälle und ich konnte mich auf P2 hinter Basti #20 einreihen. Und nun hatte ich wieder das gute Gefühl vom letzten Jahr… es lief einfach wieder und ich konnte an Basti dran bleiben, der wiederum sensationell schnell war. Nach etwa 5 Runden überholte mich Krato und ich konnte diesem aber folgen. Weitere 2 Runden später flogen wir im Duett an dem am Rand parkenden Basti vorbei. Sein Honda-Motor wollte nicht mehr, dadurch fiel er aus. Dann wieder P2 konnte ich aber bis ins Ziel halten. Endlich wieder mal Podest-Luft schnuppern.

In unserem Cup gab es dann nur noch eine Veranstaltung in Most Ende September. Bis dahin war noch ganz lange Zeit. So beschloss ich zwischendurch auch noch mal wo anders zu fahren, um nicht einzurosten. Ich meldete mich mit unserem Veranstalter Futz gemeinsam zu einem Langstreckenrennen am Lausitzring an. Die Geschichte ist recht schnell erzählt… Quali auf P2… Nach dem Start in Führung gegangen und nicht mehr hergegeben. Das Rennen wurde aufgrund von vielen heftigen Unfällen vorzeitig abgebrochen. Da das Medical-Center keine freien Kapazitäten mehr hatte, wurde das Rennen auch nicht nochmal neu gestartet und so wurden wir zum Sieger erklärt.

Zwei Wochen später, einen Tag nach dem World Superbike Meeting am Lausitzring hatte ich nochmal die Gelegenheit mit Markus Reiterberger, unserer deutschen WSBK-Hoffnung, ein Coaching eben am Lausitzring zu haben. Und das brachte mir gefühlt echt ’ne Menge. Er erklärte mir, was ich etwas anders machen soll und ich setzte es um…und es klappte. Die Zeiten purzelten und ich fuhr so schnell wie noch nie zuvor am Lausitzring. Völlig glücklich freute ich mich nun auf die letzte Cupveranstaltung in Most.

Und diesmal ´gab es sogar vor dem 3-Tages-Event noch einen optionalen zusätzlichen Trainingstag, welchen die meisten Cupfahrer auch nutzten. Ich natürlich auch. Und da ging es dann ab wie die Luzie… Gleich früh konnte ich extrem schnelle Zeiten fahren in Most (40er zu Beginn ist für mich nicht gerade schlecht)… der nächste Fahrer nach mir hatte mehr als 2 Sekunden Rückstand. Wow. Das mit dem Reiti hat wohl wirklich richtig was gebracht. Dann nach dem Mittag ging es nochmal richtig vorwärts… 1:39.9! Bähm! Und da war ich dann so richtig happy. Endlich diese 40er-Schallmauer in Most geknackt.

Mehr als zufrieden freute ich mich nun auf die Rennen. Beim Start zum ersten Rennen kam ich nicht ganz so gut weg und musste an der ersten Schikane aufpassen, dass nichts passiert. Dabei stach von innen ein Ducati-Fahrer herein und brachte sein Bike aber nicht mehr ums Eck und machte sich direkt vor mir lang. Um den Fahrer nicht zu überrollen musste ich wieder in Kies ausweichen, dieses mal kippte mir das Motorrad um, als ich fast schon stand. So ein Mist. Motorrad aufgehoben und wieder losgefahren…dieses mal von ganz ganz hinten. So kämpfte ich mich durchs Feld, eine ordentliche Platzierung war aber nicht mehr drin. Ich habe bestimmt eine halbe Minute durch den Anfangszwischenfall verloren. Das holt man so schnell nicht wieder auf.

Das zweite Rennen lief dann wieder besser. Der Start klappte und ich reihte mich wieder hinter Basti #20 ein, der abermals richtig flott unterwegs war. Diesmal ist er mir aber nicht davon gefahren und ich konnte den sehr kurzen Abstand halten. Ich wartete auf eine Überholgelegenheit. Mein Laptimer zeigte mir auch wieder 39er Zeiten…es lief! Leider wurde das Rennen aufgrund eines Unfalls im hinteren Feld vorzeitig abgebrochen. So konnte ich ein finales Überholmanöver nicht mehr setzen.

Dennoch war ich mit der schnellsten Rennrunde unter den ersten dreien zufrieden und habe meine doch durchwachsene Saison ganz gut abgeschlossen. Kurz gesagt: Zäher Anfang, gutes Ende – und für 2017 habe ich auch schon ganz interessante Pläne…

Was genau, das gibt es dann später hier zu erfahren.

Jahresrückblick 2016 – Teil 2

Bereits im Vorfeld wurde jetzt klar, dass sich die Titelverteidigung in diesem Jahr wesentlich schwieriger gestalten wird, als es das letzte Jahr war. Zum einen haben sich 2 weitere sauschnelle Leute zum Cup angemeldet und 3 alte Bekannte Jungs haben sich über den Winter mal richtig fit gemacht und verbrachten gefühlt die ganze Zeit in Spanien, um zu trainieren.

Herausforderungen sind aber nun mal da, um angenommen zu werden.

Zur ersten Station Anfang Mai in Most ging es nun wie üblich zu Saisonbeginn hoch motiviert und voller Vorfreude los. Endlich wieder die ganzen Gesichter sehen und endlich wieder Racing.

Wie erwartet platzierte ich mich in den Trainings in den Top-6… es war in diesem Jahr teilweise echt knapp zwischen den ersten 6-8 Fahrern. Bei den Rennen war es deshalb umso wichtiger, keine Fehler zu machen, da man einen Rückstand nur schwer wieder aufholen kann, wenn alle etwa gleichschnell sind. Die beiden Rennen in Most verliefen ohne nennenswerten Zwischenfälle und ich beendete dieses auf P4 und P6. Nicht gerade eine Glanzleistung, aber ich merkte nun doch, dass mir ein bis eineinhalb Sekunden auf meine bisherigen Resultate in Most fehlen. Irgendwie sitzt mir der Crash doch noch in den Knochen. Das ganz komisch. Ich kann das auch nicht erklären. Irgendwie hatte ich kein hundertprozentiges Vertrauen zum Vorderrad bzw. beim anbremsen. Na gut, dann ist das eben so. Es wird schon wieder dachte ich mir.

Die zweite Station war in diesem Jahr der Lausitzring. Nicht wirklich meine Lieblingsstrecke. Und dann wurde auch noch Regen vorhergesagt. Lausitz und Regen… das geht doch nicht. Also ging es mit gemischten Gefühlen dorthin. Der erste Tag ging noch so halbwegs und es blieb bis späten Nachmittag trocken. Auf eine gute Rundenzeit kam ich trotzdem nicht. Da für den ganzen nächsten Tag Regen vorhergesagt wurde, war mir das aber auch egal, da ich in der Lausitz bei Regen kein Rennen fahren werde. Da kann man im Prinzip nur verlieren bzw. ein Haufen Schrott produzieren. Noch mal nicht dieses Jahr.

Eine Woche später schob ich nochmal einen Zusatztermin ein…irgendwie musste ich doch wieder zu alter Stärke zurückfinden. Und es ging wieder nach Ungarn zum Pannoniaring. Dort hatte den Speed ein wenig verloren…dort wollte ich ihn mir jetzt auch wieder holen.

Und hier lief es jetzt wieder ganz gut. Noch nicht perfekt, aber so langsam gewann ich wieder Vertrauen zur Bremse.

Ende Mai dann ging es nach Brno. Das letzte Mal, als ich hier war konnte ich sensationelle Zeiten fahren und hoffte natürlich, dass ich dort wieder anknüpfen kann.

Schon in den Trainingssessions merkte ich aber, dass dem nicht so ist. Ich fühlte mich zwar schnell, der Laptimer sagte aber was anderes. Ich tat mich unwahrscheinlich schwer, auf gute Zeiten zu kommen. Meine Mitstreiter dagegen sind alle flott wie die Wiesel unterwegs. Woran liegt das bloß? Ich weiß es nicht. Im Rennen am 2. Tag dann konnte ich einen 7. Platz einfahren. Mehr war nicht drin. Meinen Rundenzeiten waren etwa 2 Sekunden langsamer als im Jahr zuvor. Bis heute weiß ich nicht, warum. Für die Meisterschaft sah ich nun meine Fälle endgültig dahinschwimmen und fand mich auch damit ab.

Ich habe nun meine Strategie geändert und mir als Ziel nur noch gute Einzelresultate vorgenommen. Dennoch machte ich mich zu Hause mal auf Fehlersuche am Motorrad. An irgendwas muss es doch liegen, dass plötzlich nicht mehr so gut zurecht komme. Aber ich würde nicht fündig. Ich stellte das Setup praktisch wieder in den Ausgangszustand und beließ es dann dabei. Ich fand mich damit ab, dass es eben nicht immer perfekt läuft.

Die nächste Station war nun Anfang Juni die erste von zwei Oschersleben-Veranstaltungen. Ohne Meisterschaftsdruck im Hinterkopf freute ich mich wieder ein bisschen mehr darauf. Auch, weil mich eine nette Überraschung erwartete. Ich durfte von meinem Freund Ossi die kleine MV Augusta F3 675 probieren. Damit startete ich auch meinen Trainingstag und wow… Das Ding lässt sich ja geil fahren. Direkt in der dritten fliegenden Runde hat der Ellenbogen auf dem Asphalt geschliffen…man ist das Ding handlich. Und einen irren Kurvenspeed kann man damit fahren. Wahnsinn. Vielleicht habe ich genau das mal gebraucht. Dann im nächsten Turn bin ich auf die 1000er geklettert und konnte nun auch damit von Beginn an super Zeiten fahren. Jetzt hatte ich wieder dieses gewisse Gefühl. Das Quali beendete ich mit der 1000er dann auf P2. Den letzten Turn am Nachmittag fuhr ich dann nochmal mit der MV. Dies war auch gleichzeitig der letzte Quali-Turn für die Rennen. Ich fühle mich auf der kleinen MV wieder richtig gut. Da an dem Motorrad kein Laptimer montiert war, wusste ich allerdings nicht, wie schnell ich bin. Als ich rein kam empfingen mich meine Boxenkollegen völlig freudestrahlend und meinten, ich habe die MV bei den 6ern auf P3 gestellt. Wow! Das war ja gar nicht so schwer. Ich ging vor zum Veranstalter und meldete mich daraufhin auch zum 6er Rennen für den nächsten Tag an.

Als es dann losging mit den Rennen freute ich mich richtig auf meinen ersten Einsatz im 6er-Feld. Von P3 aus gestartet konnte ich mich direkt an den Führenden dran heften und ihn sogar attackieren. Am Ende hab ich es aber gut sein lassen und fuhr (mit dem geliehen Motorrad) den 2. Platz ins Ziel. Am Ende reichte es sogar zur schnellsten Rennrunde… und das in meinem ersten 600er-Rennen.

Das war bis dahin definitiv das erste richtige Highlight der Saison.

Dann, 20 Minuten später, startete ich mit der BMW ins 1000er Rennen. Hier konnte ich mich ebenso an den Führenden dranhängen und fuhr auch hier mit Kurs auf P2. Kurz vor Ende des Rennens aber, musste ich beim Überrunden etwas zurückstecken und da wurde ich noch von einem anderen Kontrahenten kassiert und wurde am Ende Dritter.

Aber was für ein Tag: 2x auf dem Podium. P2 & P3. Super war das. Vielleicht habe ich genau das – eine Art Tapetenwechsel – mal gebraucht.

Jahresrückblick 2016 – Teil 1 PreSeason

Im Nachhinein betrachtet verlief 2016 ganz schön turbulent und durchwachsen. Wie bereits angekündigt, startete ich die Saison Ende März am ungarischen Pannoniaring. Die Vorfreude war riesig groß und so fieberte ich dem Tag der Abreise entgegen.

Dort angekommen haben wir alles ausgeladen und unsere Box bezogen. Übernachtungen haben wir dieses mal im Streckenhotel gebucht. Das ist zwar kein Luxushotel, aber unterm Strich besser, als für die lange Anfahrt den Wohnwagen hinten anzuhängen.

Am ersten Tag ging es im Prinzip nur darum, sich wieder an die Geschwindigkeit zu gewöhnen und abzuchecken, ob am Motorrad alles in Ordnung ist. Leider hatte ich elektronische Probleme am Motorrad – es fiel immer in den Notlauf. Unzählige Mal habe ich die Verkleidung abmontiert, alle Steckverbindungen kontrolliert, die Batterie abgeklemmt und wieder zusammengebaut. Es funktionierte dann auch immer mal kurz, um dann wieder in den Notlauf zu fallen. Irgendwie war der Wurm drin. Zumindest habe ich vor Ort eine Möglichkeit gefunden, das Motorrad zu starten, ohne dass es in den Notlauf Modus fällt. Jedoch immer nur so lange, bis ich die Zündung ausschaltete. Danach musste ich das Steuergerät immer wieder neu resetten.

Durch die ganze Schrauberei vor Ort konnte ich mich allerdings nicht wirklich auf das Setzen von schnellen Rundenzeiten konzentrieren und somit qualifizierte ich mich am zweiten Tag für die Sprintrennen lediglich in der 3. Startreihe.

Dann war es soweit – das erste Rennen stand an. Bereits zum Vorstart in die Warmup-Runde kam ich super weg und habe 4 oder 5 Positionen bis zur ersten Kurve gut machen können. Die neue Kupplung funktioniert prima. Beim richtigen Rennstart dann gelang mir das auch wieder und ich fand mich nach der ersten Kurve auf P4 wieder. Ich kam jetzt doch gut rein und konnte mit den schnellen Österreichern ganz vorn gut mithalten. Natürlich wollte ich noch weitere Positionen gut machen und heftete mich an den Dritten und wartete auf eine Überholmöglichkeit.

Es war dann in der vierten oder fünften Runde als ich merkte, wie der Druckpunkt meiner Bremse wanderte und ich den Bremshebel ganz schön weit ziehen musste, um die entsprechende Bremsleistung zu erhalten. Wirklich Gedanken habe ich mir in dem Moment darüber aber auch nicht gemacht. Nach einer schnellen Rechtskurve, welche man so mit etwa 180km/h durchfährt kommt danach eine weitere Rechtskurve, welche aber wesentlich enger und dementsprechend langsamer zu durchfahren ist. Ich wollte anbremsen und dann erlebte ich den Super-Gau. Ich Griff ins Leere… Ahhhhr…nicht gut. Ich hatte Null Bremswirkung. Die Kurve zu kriegen war so nicht drin, also entschied ich mich zu verlassen der Strecke, gerade aus ins Kiesbett. Nur bei der Geschwindigkeit ist so ein Kiesbett auch nicht wirklich groß…ich sah schon den Streckenzaun auf mich zukommen. Also entschied ich mich vom Motorrad zu trennen und sprang ab. Bremsen konnte ich ja nicht mehr. Hossa die Waldfee. Das hat ganz schön gerumpelt. Mir ist aber nichts weiter passiert – abgesehen von ein paar blauen Flecken und ein paar Kratzern. Zusammen mit einem Streckenposten hob ich das Motorrad auf und schob es erst mal an die Seite… auf den ersten Blick sah das gar nicht so zerstört aus.

Zurück an der Box habe ich das Bike inspiziert… Leider waren ein paar Sachen kaputt, welche ich vor Ort nicht reparieren konnte. Somit war für mich die erste Veranstaltung erledigt.

Aber was war der Grund für das Bremsversagen? Bei der Ursachenforschung fiel mir dann auf, dass die Entlüftungsschraube von einem der Bremssättel undicht ist. Vermutlich habe ich diese zu fest angezogen und damit überdreht. Dadurch wurde es undicht und hat dann bei hoher Temperatur Luft gezogen.

Schöne Bescherung. Wegen eines defekten 5€-Schräubchens habe ich nun einen doch nicht ganz unerheblichen Schaden am Bike, wie es zunächst aussah.

Ich musste die komplette Auspuffanlage tauschen, der Kühler war kaputt, Lenkerstummel und Fußrastenanlage rechts waren kaputt und natürlich die Verkleidung musste ich erneuern. Die neuen Entlüftungsschräubchen für die Bremse sind da im Prinzip gar nicht ins Gewicht gefallen.

Nun ja, es ist wie es ist. Nun wollte ich natürlich vor dem ersten Cuplauf Anfang Mai unbedingt noch einmal das Motorrad probieren und bucht mir Mitte April noch einen Zusatztermin in Most.

Dort lief eigentlich alles ganz gut…hier bin ich jetzt auch dem Fehler mit dem Notlauf auf die Schliche gekommen. Der Slick-Stecker der BMW hatte einen Wackelkontakt. Und wenn der nicht da ist, schaltet das Motorrad in den Notlaufmodus. Auch das ist wieder eine lächerliche Sache. Im Prinzip ist der Slick-Stecker nur eine Kabelbrücke. Ein Cent-Artikel. Aber zumindest ist auch dieses Problem behoben.

Alles andere funktionierte aber und nun konnte der Cup losgehen. Da ich die Ursache für meinen Sturz kannte dachte ich, dass ich kopfmäßig keine Probleme mit meinem High-Speed-Abflug in Ungarn habe. Ich fühlte mich gewappnet für die erste Cup-Veranstaltung in Most.

 

2016 – Es geht wieder los

Nachdem ich rückblickend die vergangene Saison 2015 durchaus als erfolgreich bezeichnen kann sind die Vorbereitungen für 2016 inzwischen auch abgeschlossen.

Direkt nach dem letzten Event am Pannoniaring in Ungarn, machte ich mich daran, das Bike zu zerlegen, den Motor auszubauen und zum Revidieren zu bringen. Ich musste nämlich in Ungarn feststellen, dass vermutlich meine Kopfdichtung nicht mehr das machte, was sie soll…abdichten. Ich hatte immer wieder Druck im Kühlwassersystem, selbst nachdem der Motor abgekühlt war. Und das deutet in aller Regel auf Undichtigkeiten am Zylinderkopf hin…bestenfalls ist dann eben nur die Kopfdichtung hin.

Gesagt – getan und das Ergebnis war: Kopfdichtung war hin ;). Also, alles halb so wild.

Mitte Dezember bekam ich den Motor dann „frisch“ überholt zurück und ich machte mich auch gleich daran alles wieder zusammen zu bauen. Aber mal der Reihe nach…

Jetzt, wo sowieso alles auseinandergebaut ist, kann ich gleich noch ein wenig den Kabelbaum um die Kabel erleichtern, welche ich nun wirklich nicht benötige. Das macht ganz schön viel Arbeit, aber gut…einmal angefangen, muss man es auch durchziehen.

Dann setzte ich das Motorrad wieder Stück für Stück zusammen.

 

2016 – neuer Sponsor

Das Jahr 2016 war erst ein paar Tage alt und es gab dann auch schon „good News“. Ich erhielt einen Anruf von Michael Fritze, dem Chef und Inhaber unseres regionalen BMW Auto- und Motorradhauses. In einem wirklich guten Gespräch konnten wir uns auf eine Zusammenarbeit einigen.

Somit hatte ich in diesem Jahr einen neuen Sponsor – und der soll ja mindestens auch auf dem Motorrad zu sehen sein. Das hieß also für mich, mir über das Design erneut Gedanken zu machen.

Zwar hatte ich der „Lotte“ letztes Jahr schon ein neues Kleid verpasst, aber das heißt ja nicht, dass ich das nicht nochmal neu machen kann. Den Gedanken gefasst, und dann auch gleich umgesetzt. So nahm ich dieses mal aber eine leichte Carbonverkleidung als Basis und bemühte abermals meinen Plotter und Co.

Von den Farben her, wollte ich mich mal ein bisschen vom weißen Untergrund lösen und das Ganze etwas dunkler bzw. invers gestalten. Rot als Kontrastfarbe ist geblieben, irgendwie habe ich mich daran gewöhnt…

 

Jetzt ist also alles soweit fertig und eine Woche nach Ostern geht es dann dieses Jahr los. Als Warmup in die Saison fahren wir dieses Jahr aber nicht nach Aragon in Spanien, sondern haben uns wieder den ungarischen Pannoniaring dafür ausgesucht. Jetzt hoffe ich mal, dass ich an meine Leistungen vom Ende der letzten Saison anknüpfen kann und schnell wieder auf Speed komme.

Laut Starterliste wird es dieses Jahr in der FR-Challenge ein volles Feld geben. Viele schnelle Jungs haben sich als Cupfahrer angemeldet…da sollten keine Fehler passieren, wenn man vorn wieder mitmischen will.

 

Saison 2015: Station 8 in Most (II) – Finale

Das letzte Septemberwochenende steht traditionell im Zeichen des Finales der FR-Challenge im tschechischen Most. Im Prinzip meine Lieblingsstrecke im Kalender. Hier fühle ich mich ein bisschen wie zu Hause. Laut Wettervorhersage sollte es bei Temperaturen zwischen 10-18 Grad trocken bleiben. Das passt dann schon mal.

Ausgeruht und frisch aus dem Urlaub machte ich mich Donnerstag kurz nach dem Mittag auf den Weg Richtung Most. Dort kam ich gegen 18:30 Uhr an und gesellte mich zu den anderen bereits dort wartenden Mitstreitern um die übliche Begrüßungszeremonie abzuhalten. Etwa 19:00 Uhr durften wir dann das Fahrerlager okkupieren; ich bereitete meinen Boxenplatz und den Wohnwagen für die nächsten 3 Tage vor.

Freitag

Mein Plan war es, recht schnell meinen Rhythmus zu finden und gleich von Beginn an zu pushen. Das erste Training für die schnellste Gruppe war für 10:00 Uhr angesetzt. Mein Plan ging auf und ich konnte in der 3. gezeiteten Runde bereits 43er Zeiten gehen. Das Motorrad fühlte sich gut an. Am Setup brauchte ich also nichts ändern. Im zweiten Training konnte ich mich auf 41er Zeiten verbessern und setzte mich auch an die Spitze des Klassements.

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Soweit sah es dann ganz gut aus für mich. Es gab jetzt noch zwei weitere Sessions, welche auch das Qualifying für das erste Sprintrennen am späten Nachmittag bildeten. In diesen zwei Sessions konnte ich mich noch weiter steigern und brachte eine tiefe 41er Zeit auf den Asphalt…Güdy ist aber auch munter geworden und drückte sich mit einer 1:40.6 an die Spitze der Liste. Na gut. Stehe ich eben auf P2 – Hauptsache erste Reihe.

Dann kamen die Aufrufe für das erste Rennen. Ich spendierte meiner Lotte (das ist der Kosename für mein Motorrad) einen neuen Hinterradreifen. Die Asphalttemperatur ist dank der Sonne auf 34 Grad geklettert – ich habe ein wenig gegambled und entschied mich für einen sehr sehr weichen Reifen. Dabei handelte es sich im Prinzip um einen Qualifyer, welchen die IDM-Jungs eben für das Quali benutzen. Die fahren aber auch noch um einiges schneller dachte ich mir und vertraute darauf, dass er die 11 Runden schon durchhalten wird.

Dann ging es los. Nach der Aufwärmrunde positionierten wir uns…Ampel auf Rot…Ampel aus und Feuer frei! Mein Start war so mittelprächtig und ich ordnete mich als dritter nach der ersten Kurve ein. Güdy und ein Gaststarter vor mir. Beide konnten sie mir nicht davon fahren, also probierte ich auf Start/Ziel das erste Überholmanöver. Das klappte erst mal nicht. Ich war spät auf der Bremse – die anderen beiden aber auch. Ok. Dann bleibe ich eben erst mal dahinter… Nächste Runde, gleiche Stelle, selbe Welle…nur dieses mal kam ich besser aus der letzten Kurve und konnte noch mehr Speed mit auf die Geraden nehmen. Noch weit vor dem Anbremspunkt ordnete ich mich vor Beiden! ein und bremste wieder extrem spät; wählte auch gleichzeitig die Kampflinie… Dieses mal hat es geklappt und ich ging in Führung. Jetzt hatte ich freie Fahrt und konnte meinen Stiefel fahren. Mein Dashboard zeigte mir 40er Zeiten…das war gut. Ich drehte mich an der Spitzkehre mal kurz um, um zu sehen, was die beiden hinter mir so machen und sah, dass ich schon einen kleinen Vorsprung von etwa 2-3 Sekunden hatte… Supi, dachte ich mir und konzentrierte mich jetzt auf saubere Runden und wollte keine Fehler machen. Wieder über Start/Ziel dachte ich mir, jetzt knallst’e hier mal eine Hammerrunde hin, bevor es ans Überrunden geht… Voll konzentriert gelangen mir auch die ersten Kurven nahezu perfekt; das Dashboard sagte an der ersten Zwischenzeit -0.6 zur bisherigen Bestzeit. Am zweiten Messpunkt standen -0.8 und über Startziel blieb die Zeit bei 1:39.9 stehen!* Wau! Glücklich und ein wenig erschrocken zugleich verpasste ich fast den Bremspunkt Ende der Geraden. Jetzt wollte ich eigentlich gleich noch einen draufsetzen, da ich die Runde zum Ende hin gar nicht so perfekt fand… bloß nun merkte ich, dass der Grip am Hinterrad deutlich nachließ.

Hatte ich mich mit der Reifenwahl doch verzockt? Hmm. Gut, dann bleib konzentriert, wird’s halt keine noch bessere Runde… Sieg nach Hause Fahren war die Devise. In den letzten beiden Runden verlor ich relativ viel Zeit durch überrundete Fahrer. Es ist halt immer blöd, wenn man an ungünstigen Stellen aufläuft. Aber der Güdy hinter mir muss da ja auch durch…

Doch das hat er wohl wesentlich besser hinbekommen als ich… ich hörte an jeder Kurve sein Motorrad hinter mir. Letzte Runde: Jetzt nur keinen Fehler machen…
Als ich unterhalb vom Fahrerlager auf vorletzte Rechtkurve und letzte echte Überholmöglichkeit zufuhr, hatte ich zwei Möglichkeiten: Fährst du jetzt innen Kampflinie oder eben die Ideallinie (welche die schnellere ist, aber innen die Tür offen lässt)?

Ich entschied mich für die Kampflinie… und das war die falsche Entscheidung. Dadurch, dass ich innen fuhr, meine Kurve daher etwas enger wird, musste ich natürlich auch etwas eher und weiter runter bremsen… Kurz bevor ich umlegte quetschte sich Güdy außen neben mich und zog mir vor’s Vorderrad…Waaahhh??? Wie hat er das denn gemacht? Schöne Sch..ße dachte ich mir… Letzter Versuch: Besser auf Start/Ziel rausfahren: Ich positionierte mich entsprechend und ging viel früher als sonst ans Gas… Das hätte beinahe im Dilemma geendet. Mein Hinterrad hatte überhaupt keinen Grip mehr und ich hatte zwei heftige Rutscher, so dass es mich beinahe abwarf… 0,386 sec hinter Güdy passierte ich die Linie… Meine Herren! Das war ein Weltklasse-Manöver vom Güdy. Ganz ehrlich: Den Sieg hat er wieder mal verdient.

Podest SR1

Hmm. Für die Meisterschaftsgesamtwertung bedeutet das, dass es noch spannender wird. Güdy hat damit wieder 2 Punkte aufgeholt und mein Vorsprung in der Gesamttabelle schmolz auf magere 4 Pünktchen.

Am Abend kam mein Schatz auch nach Most nachgereist, um mir dann für den alles entscheidenden Lauf am Sonntag zur Seite zu stehen.

Mit unserer Boxencrew ließen wir den Abend auf der Burg in Most mit einem wirklich tollen Abendessen ausklingen… (kann ich nur empfehlen da oben das Burgrestaurant).

Samstag

Der 2. Tag bei einer 3-Tages-Veranstaltung steht immer ganz im Zeichen des Langstreckenrennens. Ich hatte mich mit meinem Teamkollegen Krato auch dazu angemeldet. Nach einem kurzen Warmup am Morgen gab es gleich die Qualifikations-Session für das Endurance-Rennen. Noch am Freitag Abend entschieden Krato und ich, dass ich das 20-minütige Quali fahren werde.

Das tat ich dann auch und stellte uns für die Langstrecke auf Pole! (er meinte, er habe auch nichts anderes erwartet).

Einen Bericht zu dem Langstreckenrennen an sich werde ich später unter der Rubrik Poho-Racing zusammen schreiben.

Nach dem Quali zur Langstrecke folgten 2 weitere Qualifikationsläufe für die Startaufstellung des morgigen letzten Sprintrennens. Dabei wurde es auch schon wieder ein wenig ernst. Das war ja wichtig in Bezug auf die Meisterschaft.

In der ersten Session kam ich gut zurecht und hatte auch ein oder zwei freie Runden und brachte eine 1:41.3 zu Papier. Soweit läuft es erst mal und ich habe die provisorische Pole erklommen. Nun folgt noch ein weiterer Durchgang.

Und jetzt kam mir tatsächlich ein bisschen das Wetter zugute. Den ganzen morgen schon war es zwar trocken, aber der Himmel war mit dunklen Wolken verhangen. Nun begann es sogar ganz leicht zu tröpfeln… bei feuchter Strecke wird sich wohl niemand mehr verbessern.

So kam es dann auch. Man konnte zwar mit Slicks auf die Strecke gehen, aber verbessert hat sich dann niemand mehr. Ich selbst konnte unter diesen Bedingungen auch nur noch hohe 41er Zeiten fahren. Man merkt dann deutlich, dass der Grip mit Slicks bei diesen Bedingungen nachlässt.

Güdy stand sogar nur auf P4. Aber immerhin noch in der ersten Startreihe. Das war dann schon mal ein Teilerfolg für mich und eine perfekte Ausgangslage für den Sonntag.

Nachmittags fand dann das 2-Stunden-Langstrecken-Rennen statt und somit war Tag 2 auch schon wieder erledigt.

Am Abend ließ ich es ruhig angehen, verzichtete auf alkoholische Getränke (was in so einem Fahrerlager nicht so einfach ist, wenn alle am Feiern sind), hielt mich an zwei alkoholfreien Radlern auf und machte mich gegen 23.00 Uhr ins Bettchen. Ich wollte ausgeruht sein für das letzte Rennen.

Sonntag

Tag der Entscheidung. Vom Zeitplan her gab es direkt morgens um 9:00 Uhr ein 20-minütiges Warmup und danach ging es direkt mit den Sprintrennen der einzelnen Klassen los. Das Rennen der 1000er sollte gegen 11:30 Uhr starten.

Nach dem Warmup machte ich mein Motorrad für das Rennen fertig…ich spendierte nochmal neue Bremsbeläge, machte einen anderen Hinterradreifen drauf als noch am Freitag und betankte die Lotte.

Nun merkte ich schon, dass ich doch ganz schön aufgeregt bin. Immer wieder betrachtete ich mein Motorrad und überlegte, ob ja auch alles in Ordnung ist. Den Luftdruck habe ich geschätzte 10x kontrolliert usw…

Dann war es soweit. Dritter und letzter Aufruf zum Rennen. Ich zog mich an, mein Schatz gab mir noch ein Küsschen und sagte mir: Du schaffst das! Ich war mir nicht so sicher. Ein Sturz und es wäre vorbei. Oder ein technisches Problem. Oder oder oder…

Als ich dann aber rausfuhr in die Startaufstellung waren diese ganzen Gedanken verschwunden… Mein Kopf hat wieder auf Racing-Modus umgeschaltet. Und das bedeutet dann, dass ich doch wieder ganz fokussiert auf die Sache an sich eingestellt war.

In der Startaufstellung erwartete mich dann mein Schatz, um mir noch ein letztes Mal vor dem Rennen alles Gute zu wünschen.

Grid-Girl

Dann ging es los. Ampel aus und los geht’s… Wieder habe ich den Start nicht perfekt hinbekommen. Mist. Aber wieder war ich hinter genau den selben beiden Dritter. Dieses mal aber war Güdy ganz vorn, der Gaststarter (Max) zwischen uns. Irgendwie eierte Güdy da vorn ganz schön rum… richtig schnell war das alles nicht. Er bremste viel früher als sonst und war auch in den Kurven nicht sonderlich schnell. „Was ist denn bei dem los?“ dachte ich mir. Und als ich mich noch so wunderte waren schwupps Basti und auch Krato an mir vorbei, weil ich viel früher bremsen musste als nötig gewesen wäre. Aber ich kann ja auch nicht durch den vor mir Fahrenden durchfahren. Hmm. „Was ist das den jetzt?“ ging mir durch den Kopf. Wir blieben aber alle dicht beisammen. Die ersten 7 Fahrer lagen innerhalb einer Sekunde. Und das bestimmt 5-6 Runden lang. Wenn das Rennen jetzt so ausgeht, dann hat Güdy die Meisterschaft gewonnen. Das will ich natürlich verhindern, um selbst den großen Pott zu gewinnen.

Da das Zeitenniveau nur auf 42er Zeiten war, konnte ich Krato und auch Basti wieder überholen. Beide waren auch absolut faire Sportsmänner und machten es mir beim Kampf um den Titel nicht sonderlich schwer, vorbei zu kommen.

Inzwischen habe ich auch kapiert, was Güdy vor hat. Richtig schlau der Junge… Er fuhr gezielt die Lorenzo-Taktik aus Valencia 2013. Das heißt: Damals war es Lorenzos einzige Chance auf den Titel, wenn er gewinnt und Marquez nur als 5. oder noch dahinter ins Ziel kommt. Er fuhr damals absichtlich an Stellen langsam, wo man schlecht oder gar nicht überholen kann, um hinter sich das Feld zusammen zu halten und die Gegner sich so gegenseitig beharken. Lorenzo hoffte damals auf einen Fehler von Marquez oder zumindest, dass sich einige Fahrer zwischen ihn und seinen Rivalen schieben. Genau das machte Güdy auch. Ihm hätte es ja gereicht, wenn nur ein anderer Cupfahrer zwischen uns ist, wenn er gewinnt. Dann hieße es Punktgleichheit und das ginge zugunsten von Güdy auf. Er hat mehr Siege in dieser Saison eingefahren.

Als mir das klar wurde ließ ich keine Möglichkeit mehr aus, ihn zu attackieren und startete einen Überholversuch nach dem anderen. Er wehrte sich mit allen Mitteln der Kunst. Bis ich irgendwann besser durch die Schikane Ende Start/Ziel kam…das nutzte ich sofort aus und zog beim Rausbeschleunigen auf die lange Linkskurve an ihm vorbei…

Jetzt waren es noch knapp 4 Runden zu fahren und ich gab Gas… Prompt fuhren wir tiefe 41er Zeiten… und ich pushte eben so gut es ging. Ich konnte mich auch vorn behaupten…die letzten beiden Runden waren wieder durch Überrundungen geprägt… hoffentlich komme ich da jetzt gut durch…noch war nichts in trockenen Tüchern. Aber ich kam gut durch…Güdy aber auch und er klebte wie ein Schatten an meinem Hinterrad.

In der letzten Runde habe ich nochmal alles gegeben…nur keinen Fehler machen. Bei der Anfahrt auf die letzte Überholmöglichkeit unterhalb vom Fahrerlager gab ich wirklich alles, um nicht dort wieder von ihm kassiert zu werden. Dieses mal habe ich mich für die schnellere Ideallinie entschieden… und das war die bessere Entscheidung als am Freitag.

Ich blieb vorn und überquerte kurz darauf die Ziellinie als erstes vor Güdy…

Die Zuschauer sprachen danach von einem haarsträubenden Krimi, der sich ihnen bot. Ich selbst habe das auf dem Motorrad gar nicht so mitbekommen. Dass es knapp zwischen uns wird, war ja vorher schon klar…dass es aber so knapp wird, habe auch ich nicht erwartet.

Nach der schwarz-weiß-karierten Flagge ist mir dann richtig ein Stein vom Herzen gefallen. Ich habe es tatsächlich geschafft. Ich habe das Rennen gewonnen und damit den Meistertitel in der FR-Challenge nach dem letzten Jahr auch dieses Jahr wieder eingefahren. Die Saison mit einem Sieg zu beenden ist Balsam für die Rennfahrerseele…

Siegerehrung Sonntag

Die Pokale der beiden Sprintrennen und der vom Langstreckenrennen am Samstag
Die Pokale der beiden Sprintrennen und der vom Langstreckenrennen am Samstag

Nun ist die Saison 2015 fast schon wieder vorbei…eine Abschlussveranstaltung am Pannoniaring Mitte Oktober fahre ich noch…doch diese ist nur zum Ausklang der Saison gedacht…völlig befreit von Meisterschaftsgedanken und der Anspannung diesbezüglich.

Anhand dieser kleinen Geschichte aus Most wird auch noch mal deutlich, dass die FR-Challenge @ FR-Performance eine bis zu den letzten Metern spannende Amateur-Rennserie ist. Aufgrund des eigenen Punktesystems, welches abweichend von den klassischen Systemen ist, gibt es nicht schon Mitte der Saison irgendwelche Ausreißer, die dann nicht mehr eingeholt werden können, sondern es bleibt eben spannend bis zum Schluss.

* im Nachhinein stellte sich allerdings raus, dass mein Laptimer irgendwelchen Mist angezeigt hat. Die offizielle schnellste Rundenzeit laut Zeitnahme war eine 1:40.7

Saison 2015: Station 7 am Lausitzring

…und da war es auch schon wieder September. Ein ungetrübtes Zeichen dafür, dass sich die diesjährige Saison dem Ende nähert. Der vorletzte Cup-Termin fand am ersten Septemberwochenende auf dem Eurospeedway Lausitzring statt.

Dieses Mal hatte ich einen exklusiven Instruktor zur Seite stehen. Kein geringerer als der frisch gebackene IDM-Champion 2015 Markus Reiterberger begleitete uns in die Lausitz. Was für eine Ehre. Allerdings standen die Wetterprognosen nicht ganz so gut. Da es sich um eine 2-Tages-Veranstaltung handelt, wird der erste Tag (Samstag) für Training und Qualifying genutzt und am zweiten Tag steht nach einem Warmup am Morgen gegen Mittag das Rennen zur FR-Challenge an. Für den Samstag wurde ab den späteren Nachmittagsstunden Regen prognostiziert, also hieß es so viel wie möglich vorher zu fahren.

Den ersten Turn hat erst mal jeder für sich genutzt, um „warm“ zu werden. Reiti hatte auch nicht sein gewohntes IDM-Superbike mit, sondern ein Superstock Motorrad seines Teams. Auch er wollte sich zunächst erst mal damit vertraut machen.

Den zweiten Turn fuhr ich dann zusammen mit ihm auf die Strecke und er schaute sich das Ganze zunächst von hinten an, überholte mich dann und zeigte mir ein wenig seine Linie… Mein Gott, wie spät er bremst und dennoch sauber in die Kurven einlenkt… Hui jui jui. Da hab ich wohl noch ’ne größere Baustelle, wenn ich auch mal richtig schnell sein will. Er verriet mir im Anschluss auch noch ein paar „Track-Secrets“, kleine Tricks, um sich besser mit dem Motorrad in bestimmten Passagen zu positionieren… Den dritten Turn versuchte ich dann wieder allein und wollte das gelernte auch umsetzen… Ein wenig gelang mir das auch und die Rundenzeiten purzelten. Allerdings auch bei meinen ganzen Mitstreitern. Eine richtig perfekte Runde hatte ich auch noch nicht hinbekommen. Irgendwas war immer. Verkehr durch langsamere Fahrer, Gelbe Flagge mit Überholverbot usw. Aber es ist ja für alle gleich.

Jetzt zog ich mal frische Reifen auf und wollte beim nächsten Turn mal richtig Gas geben. Vorn spendierte ich meinem Motorrad auch noch frische Bremsbeläge. Dann ging es wieder raus. Ich sah zu, dass ich gleich ziemlich am Anfang auf eine freie Strecke kann; das passte auch soweit. Ich hatte dann in der In-Lap niemanden vor mir. Als ich jedoch Start-Ziel passierte, kam eine ganze Reisgruppe gerade erst aus der Box gefahren. Scheinbar haben die alle nicht auf die Uhr geschaut und fast 2 min verpennt. Prima! Wieder nix mit freier Fahrt. Nachdem ich die meisten Spätrausfahrer überholt hatte, hatte ich dann einen von den schnellen Jungs vor mir, da blieb ich dann dahinter und wollte mich ein wenig ziehen lassen. Das klappte eigentlich auch ganz gut. Irgendwie fühlte sich aber mein Motorrad trotzdem komisch an. Es bremste irgendwie permanent von allein. Komisch. Als ich am Ende des Turns in die Box fuhr, merkte ich wie die vordere Bremse die ganze Zeit fast blockierte. Was ist denn nun schon wieder? … und da fiel es mir ein: Vor dem Wochenende wechselte ich daheim noch die Bremsflüssigkeit. Da waren aber abgefahren Bremsbeläge drin. Die Bremsflüssigkeit hätte ich so nur bis zum Minimalfüllstand auffüllen dürfen. Hab ich aber nicht. Ich habe genau mittig zwischen Min & Max aufgefüllt. Nachdem ich nun die frischen Beläge reingebaut habe, war der Füllstand viel zu hoch; es baute sich dadurch Druck von alleine auf und dadurch bremste das Motorrad auch von allein. Beim Rausfahren mit kalter Bremse fällt das nicht auf, erst wenn sie warm wird, steigt der Druck im System. Mist! Wieder ein Turn vergeigt.

Nun gut weiter geht’s. Den Mangel abgestellt und das nächste Problem erkannt: An meinem Federbein schien sich die Druckstufe verabschiedet zu haben. Auch wenn ich diese ganz zugedreht habe, hat da gar nichts gedämpft. Jetzt wurde auch der Himmel immer dunkler und es begann zu regnen. Genau wie es vorhergesagt war. Ok. Dann war es das sowieso mit Zeiten verbessern. Also Federbein rausgebaut und zum Service vor Ort (Beckel-Fahrwerkstechnik) damit. Es hörte dann zwar auf mit regnen, aber die Strecke war noch komplett nass. Somit war der Tag beendet und ich hatte nur P7 für das morgen anstehende Rennen herausgefahren. Ich glaube, dass ist meine schlechteste Startposition bisher in diesem Jahr. Aber was soll’s… Punkte werden im Rennen vergeben.

Die Wettervorhersage für den Sonntag sahen auch alles andere als gut aus. Es wurde wieder Regen angesagt, und so war es dann auch. Ich rüstete als auf Regen um. Obwohl ich kein gutes Gefühl hatte. Lausitz und Regen… das funktioniert doch nicht wirklich. Der Lausitzring hat eine besondere Asphaltmischung mit sehr hohem Gummianteil. Dadurch wird es bei Regen hier richtig rutschig. Warum ist das so? Ursprünglich wurde der Lausitzring für die amerikanische Indy-Car-Serie gebaut. Die fahren aber im Regen nicht. Wenn es bei denen regnet, wird entweder gewartet, bis alles wieder trocken ist, oder das Rennen wird auf den nächsten Tag verschoben.

Wie vorhergesagt fing es auch wieder an zu regnen. Irgendwie war mir nicht nach Motorrad fahren unter diesen Umständen. Ich rechnete mir im Kopf aus, was es für die Meisterschaft bedeutet, wenn ich nicht starte. Es gibt in diesem Jahr in der FR-Challenge ein Streichergebnis. D.h.: Für das Rennen bin ja qualifiziert und trete aber nicht zum Start an. Ergibt 0 Punkte, welche ich allerdings wegstreichen kann. Güdy als mein einzig verbliebener Konkurrent wird sicherlich gewinnen und 20 Punkte gut machen. Muss aber noch 18 wegstreichen (sein bisher schlechtestes Ergebnis)… Also macht er 2 Punkte gut. Genauso wäre es auch, wenn ich hinter ihm ins Ziel komme. Einzig, wenn ich vor ihm ankomme, dann mache ich was gut. Macht er also jetzt 2 Punkte gut, dann habe ich vor der letzten Veranstaltung in Most immer noch 6 Punkte Vorsprung.

Also dachte ich mir: Ich fahre nicht. Bevor ich ein Haufen Schrott produziere, weil ich vor ihm sein will, lasse ich es lieber. Selbst wenn ich nur hinterher rollern würde, dann würde ich das auch nur als Streichergebnis nutzen. Und selbst dann ist immer noch ein Sturzrisiko vorhanden. Nee, das lassen wir mal lieber.

Ich schaute dann also beim Rennen zu. Von ursprünglich 13 Fahrern, welche sich in die Startaufstellung stellten, sind am Ende tatsächlich auch 7 gestürzt… Güdy ist nicht gestürzt… er hat sich die vollen 20 Punkte eingefahren, was er in meinen Augen bei diesem Eiertanz auch vollkommen verdient hat.

Nun ist die nächste Station am letzten Septemberwochenende in Most. Bis dahin werde ich nochmal Urlaub unter der Sonne Mallorcas machen und dann hoffentlich super ausgeruht dort meinem 2. Meistertitel in der FR-Challenge entgegen fahren…

Saison 2015: Station 6 in Brno (II)

Am ersten Augustwochenende ging es dann zum zweiten Mal dieses Jahr nach Brno. Wer mich besser kennt, der weiß, dass ich Brno eigentlich nicht so mag. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich von den 4 Stürzen in den letzten 10 Jahren 3 in Brno hatte. Die Kombination aus hohen Schräglagen und hohem Durchschnittstempo wird wohl einen recht großen Anteil an dieser Bilanz haben. Aber gut, die Bedingungen sind ja für alle gleich.

Die Wettervorhersage avisierte uns ein tropisches Klima mit Lufttemperaturen knapp unter 40 Grad für alle drei Tage. Es wird wohl eine Hitzeschlacht werden.

Da es in Brno nicht so harte Bremszonen wie in Oschersleben gibt, wechselte ich im Vorfeld schon die Gabelfedern und ersetzte sie durch weichere Exemplare.

Am Freitag ging es früh gleich los mit 4 Trainingseinheiten, welche auch gleichzeitig das Qualifying für das erste Sprintrennen am Abend sind. Also lange rumtrödeln ist nicht. Die Wetterprognose hielt ihre Versprechungen und so war es gegen 10.00 Uhr schon knapp 30 Grad Luft und knapp 40 Grad Asphalttemperatur. In der ersten Einheit kam ich nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut zurecht. Einige andere Teilnehmer schienen noch nicht ganz ausgeschlafen zu haben und trödelten auf der Strecke umher, so dass ich nicht wirklich eine saubere Runde hinbekam. Mit einer 2:10 min gewinnt man heutzutage keinen Blumentopf mehr in Brno. Nachdem ich wieder reinkam, sah ich, dass ich trotz weicherer Gabelfedern noch immer nicht den kompletten Federweg ausnutzte. Also vergrößerte ich das Luftpolster indem ich ein wenig Öl aus der Gabel entfernte. Beim zweiten Turn lief es dann schon besser und ich hatte auch zwei freie Runden, um eine bessere Zeit zu erzielen. Nun kam eine 2:09.125 zustande und ich bekam endlich wieder ein bisschen mehr das Gefühl für das Vorderrad. Die Setupänderung machte sich quasi positiv bemerkbar. Bis hierher hatte ich hinter Basti die zweitschnellste Zeit gefahren. Er war 0.093 sec schneller. Nicht viel, aber vorn ist vorn.

Ab dem dritten Turn wurde es dann aber richtig warm draußen und die Asphalttemperatur kletterte auf 52 Grad. Was für eine Hitze! Diese Bedingungen sind dann auch nicht mehr optimal und so konnte in der dritten und vierten Session niemand mehr seine Zeit verbessern. Und dennoch trat ein Umstand ein, welcher mir nun doch zur Poleposition für das Rennen verhalf. Basti hatte einen Vorderradrutscher und hat das Motorrad verloren. Dabei ging an seiner Maschine das Dashboard kaputt, ohne dem sie nicht läuft. Sehr ärgerlich für ihn, denn somit war sein Wochenende zu Ende und er meldete sich vom Rennen ab. Damit rutschen alle eine Position nach vorn und ich erbte seine Pole. Mein Hauptkontrahent, der Güdy stand auf P2 und hatte ebenfalls eine 2:09er Zeit gefahren, auch nur ein paar Tausendstel hinter mir. Also quasi gleichschnell. Das wird dann spannend.

17:30 Uhr rollten wir dann in die Startaufstellung. Die Thermometeranzeige über Start/Ziel sagte 59 Grad Asphalt und 37 Grad Lufttemperatur…Das wird physisch eine Herausforderung.

Dann ging es los: Ampel auf rot – Ampel aus – Abfahrt! Ich hatte einen guten Start und bog als erster in die erste Kurve ein. Nun heißt es: Späne machen… Und das tat ich dann auch. Eigentlich rechnete ich an den typischen Ausbremsstellen jedes mal damit, dass der Güdy neben mir auftaucht…aber er kam nicht. Nach drei oder vier Runden dachte ich mir dann: Mach einfach so weiter, bleib konzentriert und fahr den Sieg nach Hause. In der vorletzten Runde dann aber war es soweit. Beim Anbremsen einer Links-Rechts-Schikane zog innen Güdy vorbei. Wo kommt der denn jetzt plötzlich her? Ich hatte vorher beim Befahren der Start/Ziel-Geraden immer in die verspiegelten Scheiben des Boxengebäudes geschaut und dort niemanden außer mir gesehen…Das habe ich es wohl doch zu ruhig angehen lassen. Aber zurück zum Geschehen: Nach der Schikane folgt ein langes Bergaufstück. Ich kam besser aus der Schikane und holte mir den Platz wieder zurück. Dann folgt die nächste und auch letzte Schikane, ebenfalls wieder eine Links-Rechts-Kombination. Wieder bremste Güdy später, zog vorbei und wieder kam ich besser auf die nachfolgende Start-Zielgeraden und holte mir wieder den Platz zurück. Jetzt war ich gewarnt und bremste überall noch ein Tick später und wählte jedes mal die Kampflinie, machte quasi innen immer zu… Der Plan ging auf… als erster bog ich am Ende der Runde auf Start-Ziel und überquerte als erster die Linie. Yeah! Saisonsieg Nr.3! Und der schmeckte mir besonders gut. Denn jetzt könnte ich es mir „erlauben“, jedes mal direkt hinter Güdy ins Ziel zu kommen und am Ende trotzdem die meisten Punkte in der Meisterschaft eingefahren zu haben. Sozusagen eine kleine Vorentscheidung.

Meine beste Rundenzeit war eine 2:07.425 – schneller, als ich je dort gefahren bin. Hurra!

Samstag

Heute konnte ich es ruhig angehen lassen. Auf dem Programm standen bis Mittag lediglich zwei Quali-Sessions für das Sprintrennen am Sonntag. Am Nachmittag fand ein Rookie-Rennen und das bei 3-Tages-Veranstaltungen übliche Langstreckenrennen auf dem Programm. Ich habe mich aber dieses Mal aufgrund der Hitze gegen eine Teilnahme beim Langstreckenrennen entschieden, um meine Kräfte zu schonen für das Sprintrennen am Sonntag.

Das zweite Qualifying ging ich aber recht entspannt an; mein Ziel war dieses mal lediglich unter die ersten 4 zu kommen, um in der ersten Reihe zu stehen. Den Rest kann man ja dann im Rennen „regeln“. Und so war es dann auch. Nach der zweiten und letzten Session stand ich mit einer 2:09.543 auf P4. Uupps – das war aber knapp. Krato hat sich nun wahrscheinlich eingeschossen und stand auf P3. Zwei Gaststarter belegten P1 und P2, Güdy wieder ganz knapp hinter mir P5.

Sonntag

Heute blieb nicht viel Zeit. Auf dem Programm stand lediglich ein 15-minütiges WarmUp und als nächstes dann schon das 2. Sprintrennen des Wochenendes.

Das WarmUp verlief gut. hier bin ich hinter einem Gaststarter die zweitschnellste Zeit gefahren. Alles soweit in Ordnung. Ich machte das Motorrad fertig für das Rennen, checkte alles durch, machte frische Reifen drauf und wartete dann entspannt auf das Rennen.

11:30 Uhr ging es dann los. Ich rollte auf meine Startposition und wartete auf die Ampel. Verdammt! Zu wenig Drehzahl. Ich habe das Motorrad bald abgewürgt… Naja. Jetzt ist es wie es ist, also mache ich das Beste draus. Einige andere Fahrer überholten mich natürlich dadurch am Start und ich kam als 8. aus der ersten Runde zurück. Die Spitze war jedoch nicht soweit entfernt, das konnte ich sehen. Ein bisschen gefrustet vom verpatzen Start legte ich mir meine Gegner zurecht und holte mir einen nach dem anderen. Als ich dann an P3 liegend eine halbwegs freie Runde hatte stand plötzlich eine 2:06.9 auf meinem Dashboard… Geil! Dann habe ich den Gerhard Eckert (Gaststarter) auf P2 liegend überholt und die erste Sektorzeit (Anfahrt auf das Omega) verriet mir -0,63 sec auf die vorhergehende Runde… jippi…das geht aber auch gut heute, dachte ich mir und fuhr die Lücke auf den führenden Güdy zu… Allerdings ist mir dann in der Kehre am tiefsten Punkt der Strecke das Vorderrad eingeklappt und ich rutschte eben unter dem Motorrad liegend Richtung Kies… „Sch..ße“ dachte ich, das war’s.

Aber plötzlich grippte das Vorderrad wieder und zack saß ich wieder auf dem Mopped… Hui. Schalter im Kopf wieder umlegen und Gas… Gerhard ist zwar wieder durchgeschlüpft, aber bei nur noch 2 zu fahrenden Runden war nun ankommen das Ziel und Position halten.

Aus dem Datarecording konnte ich entnehmen, dass ich mit 10km/h schneller in die Kurve eingebogen bin, als sonst. Ich musste dadurch etwas weit gehen und habe dann noch versucht mit mehr Schräglage die Linie wieder zu kriegen… Das hat eben nicht geklappt.

Aber wie dem auch sei… alles nochmal gut gegangen und die positiven Aspekte überwiegen. Jetzt freue ich mich schon auf die nächste Runde in der Lausitz…

Saison 2015: Station 5 in Oschersleben (II)

Nach der Sommerpause ging es wieder an die Börde nach Oschersleben in die etropolis Motorsportarena.

Dieses Mal sollte es aber nicht ganz so einfach für mich werden. Güdy, Basti und Krato standen wieder mit am Start.

Mein Motorrad hatte ich in der Zwischenzeit zu alphaRacing für ein größeren Fahrwerks- und Geometrie-Service gebracht. Einiges wurde hier revidiert und frisch gemacht und eingestellt.

So hatte ich auch direkt zum ersten Training am Montag morgen ein gutes Gefühl beim Fahren. Beim zweiten Turn konnte ich auch direkt wieder tiefe 33er Zeiten fahren und schob mich damit auf Platz 2 im Klassement. Nun drohte der Himmel sich in Strömen zu ergießen, es wurde immer dunkler. Auch zur dritten Trainingssession um die Mittagszeit regnete es noch nicht und alle Teilnehmer wollte so noch einmal die Chance auf Zeitenverbesserung im Trockenen nutzen. Leider gelang das außer dem Güdy sonst keinem, da es jetzt tatsächlich begann zu regnen. Güdy aber nutzte die allerletzte Gelegenheit und drängelte sich für das Qualifying ganz knapp (-0.083 sec) vor mich. Da es ab nun den ganzen Tag regnete, stand somit die Startaufstellung fest. Startplatz 3 ist ja zumindest eine Position besser als letztes mal.

Am zweiten Tag (dem Renntag) war es wieder trocken, es hatte in der Nacht aufgehört zu regnen.

Das Warmup verlief ohne Probleme und so konnte das Rennen kommen. Nachdem alle auf ihrer Startposition Platz genommen und die Augen auf die Startampel gerichtet haben, ging es dann los. Mein Start war gut, aber nicht so gut wie beim letzten Mal. Genau wie qualifiziert bogen wir in die erste Kurve ein. Irgendwie kam ich aber nicht so richtig voran. Die Rundenzeiten waren auch nicht besser als am Vortag mit den alten Reifen. Komisch irgendwie. Sonst brachten mir frische Reifen immer 1-2 Sekunden Verbesserung. Diesmal allerdings nicht. Die beiden vor mir gingen eine unheimlich schnelle Pace…ich konnte nicht folgen, ohne einen Sturz zu riskieren. Irgendwann musste ich mich auch noch einem Teilnehmer geschlagen geben…zum Glück ein Gaststarter, welcher mir meisterschaftstechnisch keine Punkte wegnehmen kann. Auf Pos.4 in der offenen Wertung kam ich am Ende auch ins Ziel. Für die Meisterschaft zählte das aber als 3. Platz (Gaststarter werden nicht mitgerechnet) und so sicherte ich mir weitere 16 Punkte.

Der nächste Lauf wird Anfang August in Brno stattfinden. Bis dahin muss ich die Geschichte mit dem Fahrwerk in den Griff bekommen. Mehr dazu schreibe ich dann nach der Brno-Veranstaltung.