Saison 2015: Station 6 in Brno (II)

Am ersten Augustwochenende ging es dann zum zweiten Mal dieses Jahr nach Brno. Wer mich besser kennt, der weiß, dass ich Brno eigentlich nicht so mag. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich von den 4 Stürzen in den letzten 10 Jahren 3 in Brno hatte. Die Kombination aus hohen Schräglagen und hohem Durchschnittstempo wird wohl einen recht großen Anteil an dieser Bilanz haben. Aber gut, die Bedingungen sind ja für alle gleich.

Die Wettervorhersage avisierte uns ein tropisches Klima mit Lufttemperaturen knapp unter 40 Grad für alle drei Tage. Es wird wohl eine Hitzeschlacht werden.

Da es in Brno nicht so harte Bremszonen wie in Oschersleben gibt, wechselte ich im Vorfeld schon die Gabelfedern und ersetzte sie durch weichere Exemplare.

Am Freitag ging es früh gleich los mit 4 Trainingseinheiten, welche auch gleichzeitig das Qualifying für das erste Sprintrennen am Abend sind. Also lange rumtrödeln ist nicht. Die Wetterprognose hielt ihre Versprechungen und so war es gegen 10.00 Uhr schon knapp 30 Grad Luft und knapp 40 Grad Asphalttemperatur. In der ersten Einheit kam ich nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut zurecht. Einige andere Teilnehmer schienen noch nicht ganz ausgeschlafen zu haben und trödelten auf der Strecke umher, so dass ich nicht wirklich eine saubere Runde hinbekam. Mit einer 2:10 min gewinnt man heutzutage keinen Blumentopf mehr in Brno. Nachdem ich wieder reinkam, sah ich, dass ich trotz weicherer Gabelfedern noch immer nicht den kompletten Federweg ausnutzte. Also vergrößerte ich das Luftpolster indem ich ein wenig Öl aus der Gabel entfernte. Beim zweiten Turn lief es dann schon besser und ich hatte auch zwei freie Runden, um eine bessere Zeit zu erzielen. Nun kam eine 2:09.125 zustande und ich bekam endlich wieder ein bisschen mehr das Gefühl für das Vorderrad. Die Setupänderung machte sich quasi positiv bemerkbar. Bis hierher hatte ich hinter Basti die zweitschnellste Zeit gefahren. Er war 0.093 sec schneller. Nicht viel, aber vorn ist vorn.

Ab dem dritten Turn wurde es dann aber richtig warm draußen und die Asphalttemperatur kletterte auf 52 Grad. Was für eine Hitze! Diese Bedingungen sind dann auch nicht mehr optimal und so konnte in der dritten und vierten Session niemand mehr seine Zeit verbessern. Und dennoch trat ein Umstand ein, welcher mir nun doch zur Poleposition für das Rennen verhalf. Basti hatte einen Vorderradrutscher und hat das Motorrad verloren. Dabei ging an seiner Maschine das Dashboard kaputt, ohne dem sie nicht läuft. Sehr ärgerlich für ihn, denn somit war sein Wochenende zu Ende und er meldete sich vom Rennen ab. Damit rutschen alle eine Position nach vorn und ich erbte seine Pole. Mein Hauptkontrahent, der Güdy stand auf P2 und hatte ebenfalls eine 2:09er Zeit gefahren, auch nur ein paar Tausendstel hinter mir. Also quasi gleichschnell. Das wird dann spannend.

17:30 Uhr rollten wir dann in die Startaufstellung. Die Thermometeranzeige über Start/Ziel sagte 59 Grad Asphalt und 37 Grad Lufttemperatur…Das wird physisch eine Herausforderung.

Dann ging es los: Ampel auf rot – Ampel aus – Abfahrt! Ich hatte einen guten Start und bog als erster in die erste Kurve ein. Nun heißt es: Späne machen… Und das tat ich dann auch. Eigentlich rechnete ich an den typischen Ausbremsstellen jedes mal damit, dass der Güdy neben mir auftaucht…aber er kam nicht. Nach drei oder vier Runden dachte ich mir dann: Mach einfach so weiter, bleib konzentriert und fahr den Sieg nach Hause. In der vorletzten Runde dann aber war es soweit. Beim Anbremsen einer Links-Rechts-Schikane zog innen Güdy vorbei. Wo kommt der denn jetzt plötzlich her? Ich hatte vorher beim Befahren der Start/Ziel-Geraden immer in die verspiegelten Scheiben des Boxengebäudes geschaut und dort niemanden außer mir gesehen…Das habe ich es wohl doch zu ruhig angehen lassen. Aber zurück zum Geschehen: Nach der Schikane folgt ein langes Bergaufstück. Ich kam besser aus der Schikane und holte mir den Platz wieder zurück. Dann folgt die nächste und auch letzte Schikane, ebenfalls wieder eine Links-Rechts-Kombination. Wieder bremste Güdy später, zog vorbei und wieder kam ich besser auf die nachfolgende Start-Zielgeraden und holte mir wieder den Platz zurück. Jetzt war ich gewarnt und bremste überall noch ein Tick später und wählte jedes mal die Kampflinie, machte quasi innen immer zu… Der Plan ging auf… als erster bog ich am Ende der Runde auf Start-Ziel und überquerte als erster die Linie. Yeah! Saisonsieg Nr.3! Und der schmeckte mir besonders gut. Denn jetzt könnte ich es mir „erlauben“, jedes mal direkt hinter Güdy ins Ziel zu kommen und am Ende trotzdem die meisten Punkte in der Meisterschaft eingefahren zu haben. Sozusagen eine kleine Vorentscheidung.

Meine beste Rundenzeit war eine 2:07.425 – schneller, als ich je dort gefahren bin. Hurra!

Samstag

Heute konnte ich es ruhig angehen lassen. Auf dem Programm standen bis Mittag lediglich zwei Quali-Sessions für das Sprintrennen am Sonntag. Am Nachmittag fand ein Rookie-Rennen und das bei 3-Tages-Veranstaltungen übliche Langstreckenrennen auf dem Programm. Ich habe mich aber dieses Mal aufgrund der Hitze gegen eine Teilnahme beim Langstreckenrennen entschieden, um meine Kräfte zu schonen für das Sprintrennen am Sonntag.

Das zweite Qualifying ging ich aber recht entspannt an; mein Ziel war dieses mal lediglich unter die ersten 4 zu kommen, um in der ersten Reihe zu stehen. Den Rest kann man ja dann im Rennen „regeln“. Und so war es dann auch. Nach der zweiten und letzten Session stand ich mit einer 2:09.543 auf P4. Uupps – das war aber knapp. Krato hat sich nun wahrscheinlich eingeschossen und stand auf P3. Zwei Gaststarter belegten P1 und P2, Güdy wieder ganz knapp hinter mir P5.

Sonntag

Heute blieb nicht viel Zeit. Auf dem Programm stand lediglich ein 15-minütiges WarmUp und als nächstes dann schon das 2. Sprintrennen des Wochenendes.

Das WarmUp verlief gut. hier bin ich hinter einem Gaststarter die zweitschnellste Zeit gefahren. Alles soweit in Ordnung. Ich machte das Motorrad fertig für das Rennen, checkte alles durch, machte frische Reifen drauf und wartete dann entspannt auf das Rennen.

11:30 Uhr ging es dann los. Ich rollte auf meine Startposition und wartete auf die Ampel. Verdammt! Zu wenig Drehzahl. Ich habe das Motorrad bald abgewürgt… Naja. Jetzt ist es wie es ist, also mache ich das Beste draus. Einige andere Fahrer überholten mich natürlich dadurch am Start und ich kam als 8. aus der ersten Runde zurück. Die Spitze war jedoch nicht soweit entfernt, das konnte ich sehen. Ein bisschen gefrustet vom verpatzen Start legte ich mir meine Gegner zurecht und holte mir einen nach dem anderen. Als ich dann an P3 liegend eine halbwegs freie Runde hatte stand plötzlich eine 2:06.9 auf meinem Dashboard… Geil! Dann habe ich den Gerhard Eckert (Gaststarter) auf P2 liegend überholt und die erste Sektorzeit (Anfahrt auf das Omega) verriet mir -0,63 sec auf die vorhergehende Runde… jippi…das geht aber auch gut heute, dachte ich mir und fuhr die Lücke auf den führenden Güdy zu… Allerdings ist mir dann in der Kehre am tiefsten Punkt der Strecke das Vorderrad eingeklappt und ich rutschte eben unter dem Motorrad liegend Richtung Kies… „Sch..ße“ dachte ich, das war’s.

Aber plötzlich grippte das Vorderrad wieder und zack saß ich wieder auf dem Mopped… Hui. Schalter im Kopf wieder umlegen und Gas… Gerhard ist zwar wieder durchgeschlüpft, aber bei nur noch 2 zu fahrenden Runden war nun ankommen das Ziel und Position halten.

Aus dem Datarecording konnte ich entnehmen, dass ich mit 10km/h schneller in die Kurve eingebogen bin, als sonst. Ich musste dadurch etwas weit gehen und habe dann noch versucht mit mehr Schräglage die Linie wieder zu kriegen… Das hat eben nicht geklappt.

Aber wie dem auch sei… alles nochmal gut gegangen und die positiven Aspekte überwiegen. Jetzt freue ich mich schon auf die nächste Runde in der Lausitz…