Jahresrückblick 2016 – Teil 1 PreSeason

Im Nachhinein betrachtet verlief 2016 ganz schön turbulent und durchwachsen. Wie bereits angekündigt, startete ich die Saison Ende März am ungarischen Pannoniaring. Die Vorfreude war riesig groß und so fieberte ich dem Tag der Abreise entgegen.

Dort angekommen haben wir alles ausgeladen und unsere Box bezogen. Übernachtungen haben wir dieses mal im Streckenhotel gebucht. Das ist zwar kein Luxushotel, aber unterm Strich besser, als für die lange Anfahrt den Wohnwagen hinten anzuhängen.

Am ersten Tag ging es im Prinzip nur darum, sich wieder an die Geschwindigkeit zu gewöhnen und abzuchecken, ob am Motorrad alles in Ordnung ist. Leider hatte ich elektronische Probleme am Motorrad – es fiel immer in den Notlauf. Unzählige Mal habe ich die Verkleidung abmontiert, alle Steckverbindungen kontrolliert, die Batterie abgeklemmt und wieder zusammengebaut. Es funktionierte dann auch immer mal kurz, um dann wieder in den Notlauf zu fallen. Irgendwie war der Wurm drin. Zumindest habe ich vor Ort eine Möglichkeit gefunden, das Motorrad zu starten, ohne dass es in den Notlauf Modus fällt. Jedoch immer nur so lange, bis ich die Zündung ausschaltete. Danach musste ich das Steuergerät immer wieder neu resetten.

Durch die ganze Schrauberei vor Ort konnte ich mich allerdings nicht wirklich auf das Setzen von schnellen Rundenzeiten konzentrieren und somit qualifizierte ich mich am zweiten Tag für die Sprintrennen lediglich in der 3. Startreihe.

Dann war es soweit – das erste Rennen stand an. Bereits zum Vorstart in die Warmup-Runde kam ich super weg und habe 4 oder 5 Positionen bis zur ersten Kurve gut machen können. Die neue Kupplung funktioniert prima. Beim richtigen Rennstart dann gelang mir das auch wieder und ich fand mich nach der ersten Kurve auf P4 wieder. Ich kam jetzt doch gut rein und konnte mit den schnellen Österreichern ganz vorn gut mithalten. Natürlich wollte ich noch weitere Positionen gut machen und heftete mich an den Dritten und wartete auf eine Überholmöglichkeit.

Es war dann in der vierten oder fünften Runde als ich merkte, wie der Druckpunkt meiner Bremse wanderte und ich den Bremshebel ganz schön weit ziehen musste, um die entsprechende Bremsleistung zu erhalten. Wirklich Gedanken habe ich mir in dem Moment darüber aber auch nicht gemacht. Nach einer schnellen Rechtskurve, welche man so mit etwa 180km/h durchfährt kommt danach eine weitere Rechtskurve, welche aber wesentlich enger und dementsprechend langsamer zu durchfahren ist. Ich wollte anbremsen und dann erlebte ich den Super-Gau. Ich Griff ins Leere… Ahhhhr…nicht gut. Ich hatte Null Bremswirkung. Die Kurve zu kriegen war so nicht drin, also entschied ich mich zu verlassen der Strecke, gerade aus ins Kiesbett. Nur bei der Geschwindigkeit ist so ein Kiesbett auch nicht wirklich groß…ich sah schon den Streckenzaun auf mich zukommen. Also entschied ich mich vom Motorrad zu trennen und sprang ab. Bremsen konnte ich ja nicht mehr. Hossa die Waldfee. Das hat ganz schön gerumpelt. Mir ist aber nichts weiter passiert – abgesehen von ein paar blauen Flecken und ein paar Kratzern. Zusammen mit einem Streckenposten hob ich das Motorrad auf und schob es erst mal an die Seite… auf den ersten Blick sah das gar nicht so zerstört aus.

Zurück an der Box habe ich das Bike inspiziert… Leider waren ein paar Sachen kaputt, welche ich vor Ort nicht reparieren konnte. Somit war für mich die erste Veranstaltung erledigt.

Aber was war der Grund für das Bremsversagen? Bei der Ursachenforschung fiel mir dann auf, dass die Entlüftungsschraube von einem der Bremssättel undicht ist. Vermutlich habe ich diese zu fest angezogen und damit überdreht. Dadurch wurde es undicht und hat dann bei hoher Temperatur Luft gezogen.

Schöne Bescherung. Wegen eines defekten 5€-Schräubchens habe ich nun einen doch nicht ganz unerheblichen Schaden am Bike, wie es zunächst aussah.

Ich musste die komplette Auspuffanlage tauschen, der Kühler war kaputt, Lenkerstummel und Fußrastenanlage rechts waren kaputt und natürlich die Verkleidung musste ich erneuern. Die neuen Entlüftungsschräubchen für die Bremse sind da im Prinzip gar nicht ins Gewicht gefallen.

Nun ja, es ist wie es ist. Nun wollte ich natürlich vor dem ersten Cuplauf Anfang Mai unbedingt noch einmal das Motorrad probieren und bucht mir Mitte April noch einen Zusatztermin in Most.

Dort lief eigentlich alles ganz gut…hier bin ich jetzt auch dem Fehler mit dem Notlauf auf die Schliche gekommen. Der Slick-Stecker der BMW hatte einen Wackelkontakt. Und wenn der nicht da ist, schaltet das Motorrad in den Notlaufmodus. Auch das ist wieder eine lächerliche Sache. Im Prinzip ist der Slick-Stecker nur eine Kabelbrücke. Ein Cent-Artikel. Aber zumindest ist auch dieses Problem behoben.

Alles andere funktionierte aber und nun konnte der Cup losgehen. Da ich die Ursache für meinen Sturz kannte dachte ich, dass ich kopfmäßig keine Probleme mit meinem High-Speed-Abflug in Ungarn habe. Ich fühlte mich gewappnet für die erste Cup-Veranstaltung in Most.