Jahresrückblick 2016 – Teil 2

Bereits im Vorfeld wurde jetzt klar, dass sich die Titelverteidigung in diesem Jahr wesentlich schwieriger gestalten wird, als es das letzte Jahr war. Zum einen haben sich 2 weitere sauschnelle Leute zum Cup angemeldet und 3 alte Bekannte Jungs haben sich über den Winter mal richtig fit gemacht und verbrachten gefühlt die ganze Zeit in Spanien, um zu trainieren.

Herausforderungen sind aber nun mal da, um angenommen zu werden.

Zur ersten Station Anfang Mai in Most ging es nun wie üblich zu Saisonbeginn hoch motiviert und voller Vorfreude los. Endlich wieder die ganzen Gesichter sehen und endlich wieder Racing.

Wie erwartet platzierte ich mich in den Trainings in den Top-6… es war in diesem Jahr teilweise echt knapp zwischen den ersten 6-8 Fahrern. Bei den Rennen war es deshalb umso wichtiger, keine Fehler zu machen, da man einen Rückstand nur schwer wieder aufholen kann, wenn alle etwa gleichschnell sind. Die beiden Rennen in Most verliefen ohne nennenswerten Zwischenfälle und ich beendete dieses auf P4 und P6. Nicht gerade eine Glanzleistung, aber ich merkte nun doch, dass mir ein bis eineinhalb Sekunden auf meine bisherigen Resultate in Most fehlen. Irgendwie sitzt mir der Crash doch noch in den Knochen. Das ganz komisch. Ich kann das auch nicht erklären. Irgendwie hatte ich kein hundertprozentiges Vertrauen zum Vorderrad bzw. beim anbremsen. Na gut, dann ist das eben so. Es wird schon wieder dachte ich mir.

Die zweite Station war in diesem Jahr der Lausitzring. Nicht wirklich meine Lieblingsstrecke. Und dann wurde auch noch Regen vorhergesagt. Lausitz und Regen… das geht doch nicht. Also ging es mit gemischten Gefühlen dorthin. Der erste Tag ging noch so halbwegs und es blieb bis späten Nachmittag trocken. Auf eine gute Rundenzeit kam ich trotzdem nicht. Da für den ganzen nächsten Tag Regen vorhergesagt wurde, war mir das aber auch egal, da ich in der Lausitz bei Regen kein Rennen fahren werde. Da kann man im Prinzip nur verlieren bzw. ein Haufen Schrott produzieren. Noch mal nicht dieses Jahr.

Eine Woche später schob ich nochmal einen Zusatztermin ein…irgendwie musste ich doch wieder zu alter Stärke zurückfinden. Und es ging wieder nach Ungarn zum Pannoniaring. Dort hatte den Speed ein wenig verloren…dort wollte ich ihn mir jetzt auch wieder holen.

Und hier lief es jetzt wieder ganz gut. Noch nicht perfekt, aber so langsam gewann ich wieder Vertrauen zur Bremse.

Ende Mai dann ging es nach Brno. Das letzte Mal, als ich hier war konnte ich sensationelle Zeiten fahren und hoffte natürlich, dass ich dort wieder anknüpfen kann.

Schon in den Trainingssessions merkte ich aber, dass dem nicht so ist. Ich fühlte mich zwar schnell, der Laptimer sagte aber was anderes. Ich tat mich unwahrscheinlich schwer, auf gute Zeiten zu kommen. Meine Mitstreiter dagegen sind alle flott wie die Wiesel unterwegs. Woran liegt das bloß? Ich weiß es nicht. Im Rennen am 2. Tag dann konnte ich einen 7. Platz einfahren. Mehr war nicht drin. Meinen Rundenzeiten waren etwa 2 Sekunden langsamer als im Jahr zuvor. Bis heute weiß ich nicht, warum. Für die Meisterschaft sah ich nun meine Fälle endgültig dahinschwimmen und fand mich auch damit ab.

Ich habe nun meine Strategie geändert und mir als Ziel nur noch gute Einzelresultate vorgenommen. Dennoch machte ich mich zu Hause mal auf Fehlersuche am Motorrad. An irgendwas muss es doch liegen, dass plötzlich nicht mehr so gut zurecht komme. Aber ich würde nicht fündig. Ich stellte das Setup praktisch wieder in den Ausgangszustand und beließ es dann dabei. Ich fand mich damit ab, dass es eben nicht immer perfekt läuft.

Die nächste Station war nun Anfang Juni die erste von zwei Oschersleben-Veranstaltungen. Ohne Meisterschaftsdruck im Hinterkopf freute ich mich wieder ein bisschen mehr darauf. Auch, weil mich eine nette Überraschung erwartete. Ich durfte von meinem Freund Ossi die kleine MV Augusta F3 675 probieren. Damit startete ich auch meinen Trainingstag und wow… Das Ding lässt sich ja geil fahren. Direkt in der dritten fliegenden Runde hat der Ellenbogen auf dem Asphalt geschliffen…man ist das Ding handlich. Und einen irren Kurvenspeed kann man damit fahren. Wahnsinn. Vielleicht habe ich genau das mal gebraucht. Dann im nächsten Turn bin ich auf die 1000er geklettert und konnte nun auch damit von Beginn an super Zeiten fahren. Jetzt hatte ich wieder dieses gewisse Gefühl. Das Quali beendete ich mit der 1000er dann auf P2. Den letzten Turn am Nachmittag fuhr ich dann nochmal mit der MV. Dies war auch gleichzeitig der letzte Quali-Turn für die Rennen. Ich fühle mich auf der kleinen MV wieder richtig gut. Da an dem Motorrad kein Laptimer montiert war, wusste ich allerdings nicht, wie schnell ich bin. Als ich rein kam empfingen mich meine Boxenkollegen völlig freudestrahlend und meinten, ich habe die MV bei den 6ern auf P3 gestellt. Wow! Das war ja gar nicht so schwer. Ich ging vor zum Veranstalter und meldete mich daraufhin auch zum 6er Rennen für den nächsten Tag an.

Als es dann losging mit den Rennen freute ich mich richtig auf meinen ersten Einsatz im 6er-Feld. Von P3 aus gestartet konnte ich mich direkt an den Führenden dran heften und ihn sogar attackieren. Am Ende hab ich es aber gut sein lassen und fuhr (mit dem geliehen Motorrad) den 2. Platz ins Ziel. Am Ende reichte es sogar zur schnellsten Rennrunde… und das in meinem ersten 600er-Rennen.

Das war bis dahin definitiv das erste richtige Highlight der Saison.

Dann, 20 Minuten später, startete ich mit der BMW ins 1000er Rennen. Hier konnte ich mich ebenso an den Führenden dranhängen und fuhr auch hier mit Kurs auf P2. Kurz vor Ende des Rennens aber, musste ich beim Überrunden etwas zurückstecken und da wurde ich noch von einem anderen Kontrahenten kassiert und wurde am Ende Dritter.

Aber was für ein Tag: 2x auf dem Podium. P2 & P3. Super war das. Vielleicht habe ich genau das – eine Art Tapetenwechsel – mal gebraucht.