FR-Endurance-Cup 2013

Neu in 2013

Der FR-Endurance Cup wird ab 2013 auch mit einer Jahreswertung versehen, d.h. es können für die gemeldeten Teams Punkte für eine Jahreswertung gesammelt werden. Wie auch bei der FR-Challenge werden die Sieger am Jahresende mit attraktiven Prämien geehrt.

Prinzipiell werden die Ergebnisse in 2 Klassen gewertet; es gibt die "Kleine" Klasse - das sind Motorräder der Klassen 2 und 3 (600er und 750er) und es gibt die "Große" Klasse - das sind alle Motorräder der Klasse 4 (1000er).

Weitere Unterscheidungen (Ein-Motorrad-Klasse, Reifenbindungen usw. gibt es nicht). Ein Team wird immer in der höchsten Klasse gewertet, die sich aus den eingesetzten Motorrädern ergibt. Wenn eine 750er und eine 1000er zusammen antreten, dann gilt die Klasse 4 (1000er). Die Anzahl der Fahrer und die Anzahl der Boxenstops ist freigestellt.

Für 2013 stehen 4 Rennen auf dem Plan:

Lauf 1 - April: Most/CZ
Lauf 2 - August: Brno/CZ
Lauf 3 - September: Lausitzring/D
Lauf 4 - September: Most/CZ

Die Teams müssen sich zu Jahresbeginn für die Jahreswertung einschreiben, um auch dem entsprechend berücksichtigt zu werden.

Für 2013 gilt auch eine längere Renndistanz. Statt wie bisher ein 2h-Rennen ist das Langstreckenrennen nun ein 3h-Rennen. Durchhalten ist also die Devise.

Der 3. Lauf (Lausitzring) war ursprünglich auf Mai datiert. Er wurde jedoch aufgrund sintflutartiger Regenfälle abgesagt und zur Sicherheit aller auf September verschoben.

1.Lauf – perfekter Start in die Saison

Der Saisonauftakt fand im Rahmen der FR-Challenge im tschechischen Most statt.

Das Qualifying fand morgens nach nächtlichem Regen unter feuchten Bedingungen statt. Unter diesen Bedingungen haben nicht alle Teams einen Fahrer auf die Strecke geschickt. Für unser Team EK-Endurance ging Krulli auf die Strecke und fuhr einen 4. Startplatz für das Rennen am Nachmittag heraus. So weit, so gut.

Das Wetter besserte sich im Laufe des Vormittags und die Sonne kam sogar heraus, so dass das Rennen ab 14:00 Uhr unter guten trockenen Bedingungen gestartet werden kann. Für den Start fiel das Los auf Bob. Leider kam es bei Bob zu einem Problem beim Rausfahren in die Startaufstellung. Ein Stoffpolster seines Helmes hatte sich ungünstig umgekrempelt, so dass er nochmal anhielt, um das zu richten. In dieser Zeit sprang die Boxenampel jedoch schon wieder auf rot... er musste das Rennen nun am Ende des Feldes aus der Box starten.

Nach nur 4 Runden kam er aber schon als Zweiter hinter Didier Grams über Start-Ziel und fuhr zu diesem Zeitpunkt auch die absolut schnellsten Runden im Feld. Nach ca. 30min stürzte der in Führung liegende Grams und löste eine Safety-Car-Phase aus. Das Feld schob sich wieder zusammen, Bob konnte aber bis zum ersten planmäßigen Stop nach etwa 50min Rennzeit bereits wieder einen beachtlichen Vorsprung von 37 Sekunden auf die Zweitplazierten herausfahren. Krulli übernahm und konnte den Vorsprung als ebenfalls schnellster Mann im Feld weiter ausbauen. Es folgten nun noch zwei weitere Stops und am Ende fuhr Krulli mit unglaublichen 5 Runden Vorsprung auf die Zweitplazierten der Klasse 4 über den Zielstrich.

Das war ein Auftakt in die Saison nach Maß!

2.Lauf – Pleiten, Pech und Pannen

Der zweite Lauf fand erst im August in Brno statt. Bob hatte sich zwischendurch bei einer anderen Veranstaltung in Assen ein Schienbein gebrochen, war aber bis hier wieder fit. Am ersten Trainingstag passierte dann jedoch das erste Unglück. An Bobs HP4 meinte eines der Pleuel sich die bunte Welt anschauen zu müssen und boxte ein etwa 10cm großes Loch durch das Motorgehäuse. Das hieß für Bob, dass die Veranstaltung gelaufen ist; er packte frustriert zusammen.

Krulli stand nun erst mal alleine da. Allerdings meldete sich Mark Albrecht (auch BMW S1000RR) und bot sich als zweiter Fahrer für unser Team an. Super...auch einer von den ganz schnellen Jungs. Somit blieb die Hoffnung auf einen weiteren Sieg bestehen.

Das Qualifying fuhr Mark und ergatterte mit einer 2:08.0 min den zweiten Startplatz hinter Moto2-Fahrer Gino Rea. Mark war damit ganz zufrieden und sollte dann auch den Start fahren.

Dieser verlief ebenfalls super, Mark kam als erster aus der ersten Runde, dicht gefolgt von Gino Rea auf der Moto2-Maschine. In der zweiten Runde kamen sie in umgekehrter Reihenfolge dicht an dicht über Start-Ziel, Mark konnte das Tempo aber nicht ganz mitgehen. Nach der 4. Runde kam er dann aber völlig unerwartet mit einer laut quietschend-kreischenden BMW an die Box gerollt. Der Motor lief noch, jedoch klang es gar nicht gut. Krulli zog sich vollkommen überrascht an musste übernehmen. Beim Rausfahren rief er Mark noch schnell zu, dass sie das Rennen dann eben mit nur einem - seinem - Motorrad fahren würden.

Durch den unerwarteten Wechsel dauerte der Boxenstop viel zu lange und so verloren wir eine ganze Runde. Nachdem Krulli das erste mal wieder über Start-Ziel kam, zeigte der Monitor Platz 24. Position für Position pflügte sich Krulli durchs Feld und schaffte es bis auf Platz 8 zurück, bevor nach gut 45 Minuten der Tank alle war und der Boxenstop anstand. Da nur noch das eine Motorrad zur Verfügung stand, musste dieses betankt werden, so dass wir wiederum wertvolle Zeit verloren. Mark übernahm das Motorrad und kehrte auf Platz 17 liegend zurück auf die Strecke. Mark wiederum schaffte es in diesem Stint mit dem ihm fremden Motorrad bis auf Platz 4 zurück in die Punkteränge, bevor auch er mit aufgebrauchtem Benzin zum Stop kommen musste.

Krulli bereitete inzwischen den Stop vor, die Spritkanister standen bereit, ein frisches Hinterrad ebenso. Mark kam rein und alles klappte wie am Schnürchen. Krulli wechselte selbst das Hinterrad und war damit schneller, als die anderen Helfer voll getankt hatten. Wiederum mit ein paar Plätzen Verlust kam er zurück auf die Strecke und begann abermals die Aufholjagd. Insgeheim hoffte er auf eine Safety-Car-Phase um Sprit sparen zu können und vielleicht nun bis zum Ende durchfahren zu können. Bei noch etwa 1 Stunde Restzeit wäre dies möglich. Aber, es kam keine weitere Safety-Car-Phase. Im Gegenteil. Neues Unheil kündigte sich an. Die Bremsen schienen den Geist aufzugeben. Das Motorrad ließ sich nicht mehr richtig abbremsen. Als noch etwa eine halbe Stunde Rest-Rennzeit auf der Uhr stand kam er auch wieder zum Stop mit der Botschaft, dass die Bremse rum ist. Die Lucas-CRQ-Beläge halten also nichtmal 3 Stunden durch...direkt vorm Rennen waren die erst gewechselt worden.

Allerdings ist das immernoch kein Grund aufzugeben. Wieder machte er sich selbst als Mechaniker ans Motorrad und wechselte an der kochheißen Bremse die Beläge. Das Motorrad wurde währenddessen von anderen Helfern betankt und Mark konnte den Rest des Rennens bestreiten. Durch die Bremsen-Wechsel-Aktion verloren wir allerdings ganze 3 Runden (knapp 7 Minuten). Mark fuhr in seinem letzten Stint noch die absolut schnellste Rennrunde mit einer 2:07 min und brachte das Motorrad heil über das Ziel. Am Ende waren wir 20. in unserer Klasse, für die Jahres-Gesamtwertung wurden wir allerdings als 5. gewertet und sammelten somit wertvolle Meisterschaftspunkte. (Punkte für die Jahreswertung erhalten nur die dafür auch eingeschriebenen Teams)

Die gelernte Lektion heißt also: durchhalten und nicht vorschnell die Flinte ins Korn werfen!

3. Lauf – Horrorcrash beim Qualifying

Nun kamen wir also Anfang September an den Lausitzring. In der Gesamtwertung waren wir zu diesem Zeitpunkt auf Platz 3 gerutscht, hatten aber lediglich 2 Punkte Rückstand auf die beiden zu dem Zeitpunkt punktgleichen Führenden der Meisterschaftswertung. Also bei noch zwei verbleibenden Rennen können wir aus eigener Kraft noch gewinnen. Die Punktedifferenz sind immer zwei Punkte zur nächsten Plazierungen (zumindest bis Platz 6) , wir müssen also beide Male vor den anderen beiden Teams ankommen.

So richtig in Fahrt und auf gute Zeiten kamen die beiden Fahrer allerdings nicht so richtig. Mit geändertem Setup konnte sich zumindest Bob zeitenmäßig gut in Szene setzen und fuhr hohe 1:46er Zeiten.

Das Qualifying

Da Bob im Training der schnellere war, solllte auch er das Qualifying fahren. Krulli bewaffnete sich mit der Boxentafel, um ihm seine Position und den Abstand anzuzeigen. Nach der ersten gezeiteten Runde lagen wir mit 0,4 sek Rückstand zunächst an zweiter Position. Schonmal ganz gut, aber rein von der Rundenzeit ging da noch was. Krulli stand gerade vorn an der Boxenmauer und wartete mit der Tafel in der Hand auf seinen Kollegen, da gab es plötzlich Rote Flaggen - Abbruch. Das wird bei einem Zeittraining i.d.R. nur gemacht, wenn verunfallte Fahrer oder Fahrzeuge auf der Strecke liegen. Es kamen so langsam alle Teilnehmer in die Box gefahren... Ein Mitstreiter kam zu Krulli gefahren und berichtete ihm, dass Bob einen heftigen Abflug an einer recht ungünstigen Stelle der Strecke hatte...

Was war passiert?

Den ersten Aussagen nach ist Bob an einer schnellen Stelle wohl ungebremst geradeaus in die Airfences vor der Streckenbegrenzung geknallt. Wie kann das denn sein? An dieser Stelle der Strecke bremst man gewöhnlich von ca. 240 km/h auf etwa 60-70 km/h runter für die anschließende Kurve.

In solchen Momenten werden die Minuten zur Ewigkeit. Wir sahen, dass ein Rettungswagen an die Unfallstelle eilte, um sich um Bob zu kümmern. Nach etwa 10 min brachten die Sreckenposten das kaputte Motorrad. Beim ersten hinschauen schon wurde uns allen die Unfallursache klar... niemand vermochte in diesem Moment etwas sagen. Ein Bremssattel hang lose am Schlauch, die beiden Befestigungsschrauben waren verschwunden. Wie kann sich nur ein Bremssattel lösen?

Wir eilten zum Medicalcenter, wo am Lausitzring jeder verunfallte Fahrer hinkommt. Bob wurde gerade untersucht... Die erste Aussage der Ärztin...er sei bewusstlos. Ach du großer Mist. In solchen Momenten rückt das Racing in den Hintergrund. Wir warteten im Medicalcenter, schwiegen uns an, unsere betroffenen Blicke trafen sich immer wieder.

Nach weiteren 20min kam endlich die Erleichterung: Er ist wieder zu sich gekommen. Wir durften mit ihm sprechen. Er wusste in diesem Moment gar nicht, was los war. Wir erklärten ihm, wo er abgeflogen ist und welche folgenschwere Entdeckung wir an seinem Motorrad machten... Da fiel es ihm ein: Als er gerade dabei war, seine Bremssättel wieder anzuschrauben, lenkte ihn jemand aus der Nachbarbox ab und bat darum, mal mitzukommen um kurz zu helfen. Das tat der Bob auch. Als er wieder zurück war, vergaß er schlichtweg, dass er nur einen der Bremssättel richtig festschraubte, der andere hingegen nur mit Hand eingeschraubt war.

Er hatte Schmerzen im Bereich der Rippen und konnte nur schwer atmen. Sicherheitshalber ließ er sich in die Uni-Klinik nach Dresden fliegen, um genaue Diagnosen zu stellen. Am Ende wurden u.a. zahlreiche Rippenbrüche festgestellt; nichts jedoch, was schwerwiedende Folgen haben könnte. EIN GLÜCK!

Aber mal zurück ins Fahrerlager: Das Qualifying wurde gewertet, unser Team hatte P2 inne. Nur alleine kann man ein 3h-Rennen kaum schaffen. Nach langen hin und her, fahren oder einpacken, bot sich Basti #20 an, das Rennen für Bob mit Krulli unter der Flagge EK-Endurance zu fahren.

Wir entschieden uns, dass Basti den Start fährt. Nach den beiden Einführungsrunden kam Basti in die Startaufstellung und vermeldete, dass sein Schaltautomat nicht funktioniert. Er startet trotzdem, wir sollten mal Kontakt mit Holzhauer aufnehmen und nach Lösungen fragen.

Basti kam dann aber nicht wie geplant nach 45min zum Stop, sondern bereits nach etwa 20min. Seine linke Hand krampfte vom ungewohnten Betätigen des Kupplungshebels bei jedem Schaltvorgang... Der Stop an sich funktionierte aber gut und Krulli übernahm und kam als 4. zurück auf die Strecke... mit einem so frühen Stop sah das dann gar nicht mal schlecht aus. Krulli kam jedoch besser zurecht als noch in den Trainings und konnte konstant 1:47er und 1:48er Runden fahren und war damit zu diesem Zeitpunkt der schnellste Mann auf dem Kurs. Es dauerte auch nicht lange, bis er so die Führung übernahm. Nach geplanten 45min kam er in die Box und Basti übernahm wieder. Sein Motorrad hatten wir dank unserem Helfer Ossi wieder fit bekommen. Ossi spielte eine neue Software ins Steuergerät und lernte den Schaltautomaten neu an. Alles wieder i.O. Basti fuhr nun auch richtig gute Rundenzeiten und der Rest des Rennens verlief ohne weitere Zwischenfälle. Die Stops klappten perfekt, die Führung haben wir bis zum Schluss nicht mehr hergegeben. Nur die absolut schnellste Rennrunde mussten wir einem anderen Team überlassen... Aber die Punkte gibt es für das Rennergebnis - und das war ein Sieg!

4. Lauf – Gesamtsieg im tschechischen Most gesichert

Wie auch schon beim vorletzten Lauf am Lausitzring Anfang September gingen die Fahrer Krulli und Basti gemeinsam für das Team EK-Endurance an den Start.

Bei recht kühlen Temperaturen um die 7 Grad konnte sich Krulli beim Qualifying am Morgen mit einer Rundenzeit von 1:44.0 an die Spitze des Feldes setzen und somit die Pole-Position für den Rennstart am Nachmittag sichern.

Den Start in LeMans-Manier bestritt ebenfalls Krulli und er ließ auch von Anfang an nichts anbrennen. Als Führender kam er nach der ersten Runde über Start-Ziel und baute Runde für Runde den Vorsprung auf die Zweitplazierten aus. Nach einer Safety-Car-Phase schmolz jedoch der bis dahin rausgefahrene Abstand wieder dahin. Den ersten planmäßigen Boxenstop kündigte er nach etwa 45min an.

Mit einem Vorsprung von etwa 28 Sekunden übernahm Basti mit seiner CBR den Transponder und pflügte ebenso durch das mit 48 Startern gefüllte Feld. Irgendwie kam er aber mit den für die Langstrecke ausgewählten Pirelli-Reifen nicht zurecht und konnte nicht seinen normalen Speed abrufen. Runde um Runde schlossen zwei der Kontrahenten auf und überholten ihn sogar. Pech hatte Basti durch eine weitere Safety-Car-Phase, da das Sicherungsfahrzeug direkt vor ihm auf die Strecke fuhr und dieses natürlich nicht überholt werden durfte. Der Rest des Feldes schloss so komplett auf ihn auf. Wieder nach etwa 45min kam Basti aber planmäßig an die Box zum Wechsel.

Krulli fuhr dann in seinem zweiten Stint wie entfesselt zahlreiche Superrunden und auch die absolut schnellste Rennrunde mit einer 1:41.8 und holte so den durch die zweite Safety-Car-Phase verlorenen Rückstand wieder auf. Der letzte Boxenstop verlief wieder ohne Probleme und mit dem Wissen um den Gesamtsieg fuhr Basti dann ohne unnötiges Risiko einzugehen auf einen soliden 3. Platz, aber vor den beiden Hauptkontrahenten in der Meisterschaft durch das Ziel.

Als erster Meister des FR-Endurance-Cup geht somit das Team EK-Endurance in die Chroniken ein.

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